Bitterfeld-Wolfen (dpa) - Der Preisverfall und Überkapazitäten treffen das börsennotierte Solarunternehmen Q-Cells (Bitterfeld-Wolfen) mit voller Härte. Im dritten Quartal fiel ein operativer Verlust von 47,3 Millionen Euro (EBIT) an, nach einem Plus von 36,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Unter dem Strich stand ein Minus von 57,1 Millionen Euro (zuvor 13,3 Millionen). Der Umsatz ging von 400 Millionen Euro auf 228,8 Millionen Euro zurück. Finanzvorstand Marion Helmes verlässt Q-Cells auf eigenen Wunsch. Die Aktie des Unternehmens brach bis gegen Mittag um mehr als 23 Prozent auf 0,89 Euro ein.

«Auch für das vierte Quartal 2011 rechnen wir mit einem operativen Verlust», sagte Vorstandschef Nedim Cen am Montag. Das Jahr 2012 werde sich ebenfalls schwierig gestalten. Das im Sommer nach der Ankündigung eines neuen Sparprogramms aufgestellte Ziel für das Gesamtjahr bestätigte Cen: Demnach rechnet Q-Cells weiterhin mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Beim operativen Ergebnis wird weiterhin ein Verlust im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet.

Die Firmenkasse dürfte in der nächsten Zeit noch knapper als erwartet gefüllt sein. Eine Wandelschuldverschreibung - eine Art Kredit - in Höhe von gut 200 Millionen Euro, die im Februar 2012 fällig ist, könne möglicherweise erst später vollständig zurückgezahlt werden, sagte Cen. Das Unternehmen sei mit den Inhabern der Anleihe im Gespräch.

Außerdem rechnet der Konzern die mittelfristig Geschäftsplanung mit einer Unternehmensberatung durch. Noch im November wolle man zu Ergebnissen kommen. Bisher hält sich Unternehmenschef Cen bedeckt. Zur bisherigen Prognose für 2012, wonach mit Hilfe der Sparmaßnahmen wieder ein operatives Plus erzielt werden sollte, ließ er unkommentiert. Gespräche mit Kaufinteressenten für das Unternehmen gebe es derzeit nicht.

Bis zum Jahresende müssen 250 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Dies geschehe ohne betriebsbedingte Kündigungen, sagte Cen. Mit dem Personalabbau gehe Q-Cells einen weiteren Schritt, um im internationalen Marktumfeld wettbewerbsfähig zu sein. Das Unternehmen beschäftigt derzeit weltweit 2500 Mitarbeiter, davon 2000 in Bitterfeld-Wolfen. Den Angaben zufolge ist derzeit kein weiterer Personalabbau geplant.

Finanzvorstand Helmes gehe auf eigenen Wunsch, sagte Cen. Der Aufsichtsrat bedauere diesen Schritt. Er habe beschlossen, den Vorstand auf zwei Mitglieder zu reduzieren. Demnach übernimmt Cen zusätzlich die Aufgaben des Finanzvorstandes, Andreas von Zitzewitz ist neben seiner bisherigen Aufgabe als Vorstand für Produktion, Forschung und Entwicklung nun auch für Marketing und Vertrieb zuständig.