Dublin (dpa) - Giovanni Trapattoni hat noch lange nicht fertig. Die EM-Qualifikation mit Irland ist bereits vor dem Playoff-Rückspiel gegen Estland fast perfekt - und schon bringt sich der kauzige Trainer-Veteran für einen neuen Vertrag bis zur WM 2014 ins Gespräch.

«Wir haben jetzt ein starkes und junges Team. Ich wäre enttäuscht und verärgert, wenn ich gehen müsste», sagte der 72-Jährige vor der zweiten Partie gegen die Esten in Dublin. Nach dem 4:0 im Hinspiel haben die Iren ihr erstes EM-Ticket seit 1988 so gut wie in der Tasche.

Diesen Erfolg will der einstige Bayern-Coach Trapattoni für den anstehenden Poker um einen neuen Vertrag nutzen. «Wir können diese Leistung in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Brasilien wiederholen», versprach der Italiener. Der Coach habe sich einen neuen Kontrakt verdient, meinte Torwart Shay Given. Sogar Jack Charlton, einer seiner Vorgänger als Nationaltrainer, warb für «Trap». Der irische Verband ist durchaus gewillt, mit Trapattoni zu verlängern. Aber nur zu geringeren Bezügen, wie Medien berichteten.

Die Kritik am vermeintlich veralteten Fußballstil des «Mister» ist in Irland vorerst deutlich leiser geworden. «Das ist sein Weg - und er führt zu Ergebnissen», gestand die «Irish Times» ein. Zugleich ist der Playoff-Erfolg auch späte Genugtuung nach dem bitteren Aus in der WM-Qualifikation vor zwei Jahren. Das Handspiel von Frankreichs Thierry Henry führte damals zum Playoff-K.o. der tapferen Iren.

«Wir haben diese Qualifikation verdient», sagte Stürmer Robby Keane, «in dieser Mannschaft steckt eine Menge an Selbstvertrauen.» Die BBC meinte in Anspielung auf Irlands Schuldenkrise sogar: «Das heruntergewirtschaftete Land wird einen Schub erhalten.»

Zumindest offiziell aber gibt sich Trapattoni vor dem Rückspiel gegen das Überraschungsteam aus Estland noch als Mahner. «Die Katze ist im Sack, aber der ist noch nicht zu und die Katze ist noch wild», sagte er in seinem gewohnt skurrilen Duktus. Wie einst in der Bundesliga, als er beim FC Bayern unvergessliche Sprachbilder wie «Flasche leer» oder «Ich habe fertig» kreierte und auch beim VfB Stuttgart so manches Mal unfreiwillig für Erheiterung sorgte, trägt «Trap» auch in Irland seine Analysen im Kauderwelsch vor.

Seine «Boys in Green» aber stehen fest an seiner Seite. Um Routiniers wie Keane, Damien Duff und Rekord-Nationalspieler Given hat er eine schlagkräftige Truppe geformt. «Wir sind in den letzten Jahren als Gruppe gereift», sagte Angreifer Jonathan Walters. Die Früchte dieses Reifeprozesses will «Trap» nun ernten - mindestens bis zur WM 2014.

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