Tokio (dpa) - Japans Wirtschaft ist erstmals seit vier Quartalen wieder gewachsen. Wie die Regierung am Montag auf vorläufiger Basis bekanntgab, stieg das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September um eine hochgerechnete Jahresrate von 6,0 Prozent.

Zuvor hatte sich Japans Wirtschaftsleistung in Folge des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März empfindlich abgeschwächt. Im Vergleich zum Vorquartal legte die Wirtschaft um 1,5 Prozent zu. Zur Erholung trug der Export und der Privatkonsum bei. Doch der Ausblick ist trübe: Ein Abschwung der Weltwirtschaft, die Schuldenkrise in Europa sowie der teure Yen stellen eine weitere Bedrohung für das stark exportabhängige Land dar.

Die Erholung im zweiten Quartal des bis 31. März 2012 laufenden Steuerjahres entsprach den Erwartungen privater Ökonomen. Hintergrund ist, dass es der Wirtschaft schnell gelang, die in Folge der Katastrophe unterbrochenen Lieferketten wiederherzustellen. Die Ausfuhren stiegen um 6,2 Prozent und damit zum ersten Mal seit zwei Quartalen. Vor allem die Autoindustrie, die stark unter den unterbrochenen Zulieferketten gelitten hatte, konnte deutlich zulegen. Der Privatkonsum, der in Japan zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt, zog um 1,0 Prozent.

Die Investitionen der Unternehmen erhöhten sich um 1,1 Prozent. Hier machte sich die wachsende Nachfrage nach Baumaschinen für die Aufräumarbeiten in den Katastrophengebieten bemerkbar. Der Minister für Wirtschaft- und Fiskalpolitik, Motohisa Furukawa erwartet denn auch, dass der Aufschwung dank der zunehmenden Nachfrage in den vom Erdbeben und Tsunami am 11. März verwüsteten Gebieten andauert. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld werde für Japan jedoch schwieriger angesichts des rasanten Höhenflugs des Yen, der Abschwächung der Weltwirtschaft sowie der Folgen der Flutkatastrophe in Thailand.

Zwar hält die Regierung bislang an ihrer Wachstumsprognose für das laufende Steuerjahr von 2,7 bis 2,9 Prozent fest. Private Ökonomen sind jedoch pessimistischer. Eine Korrektur der Regierungsprognose nach unten gilt als wahrscheinlich. Die Importe erhöhten sich im Berichtsquartal um 3,4 Prozent. Hier sehen Ökonomen als Hintergrund die steigende Nachfrage nach Brennstoff wie Öl und Gas für Wärmekraftwerke als Folge des Atomunfalls in Fukushima. Wegen des mangelnden Atomstroms muss Japan verstärkt Wärmekraftwerke einsetzen.