Abu Dhabi (dpa) - Erst das Konzert von Paul McCartney, dann ein Small Talk mit der Pop-Ikone und ein Autogramm auf die extra mitgebrachte Gitarre. Ein paar Stunden nach dem früh geplatzten Traum vom Sieg-Hattrick kam Sebastian Vettel in Abu Dhabi doch noch auf seine Kosten.

Begeistert klatschte der eingefleischte Beatles-Fan bei den Klassikern der einstigen «Fab Four» Beifall. Da war der Frust wegen des mysteriösen Plattfußes rund 500 Meter nach dem Start zum vorletzten Formel-1-Saisonrennen vergessen und die Welt wieder weitgehend in Ordnung.

Den Heimflug trat der Red-Bull-Pilot aus Heppenheim schließlich völlig entspannt an. Schon an der Strecke hatte sich der Seriensieger mit dem ersten Ausfall seit Südkorea vor über einem Jahr einigermaßen abgefunden: «Wir wollen noch herausfinden, was die Ursache für den Reifenschaden war - und dann Schwamm drüber.» Das kann dauern und eventuell lässt sich das trotz sorgfältigster Analysen nie klären.

Pirellis Motorsportdirektor Paul Hembery urteilte: «Das war schon ein sehr ungewöhnlicher Unfall. Auf den ersten Blick gibt es keine Erklärung dafür. Sebastian hatte diesen Reifensatz ja schon in der Qualifikation benutzt.» Er wolle ohne exakte Erkenntnisse nicht spekulieren. Untersuchungen der Gummifetzen in der Pirelli-Zentrale in Mailand sollen ergeben, wie es zu diesem Platzer kommen konnte. «Vielleicht werden wir den genauen Grund nie herausfinden», meinte Hembery.

Wenigstens ging durch diesen Plattfuß McCartneys Wunsch in Erfüllung. «Ich mag Sebastian», hatte der Ex-Beatle nach Vettels Rekord-Pole gesagt. «Aber morgen soll er die britischen Jungs mal gewinnen lassen.» Lewis Hamilton nutzte die Chance zum ersten Sieg seit vier Monaten auf dem Nürburgring. Der britische McLaren-Mercedes-Pilot war aber selbst etwas skeptisch, ob das auch mit einem Gegner Vettel geglückt wäre: «Ich weiß nicht. Aber wir waren sehr schnell.» Red-Bull-Berater Helmut Marko war sich indes sicher, dass der Deutsche ohne technischen Defekt auf dem Yas Marina Circuit gewonnen hätte: «Er war schneller.»

Sei's drum: Die Konkurrenten wirkten erleichtert, dass auch für Vettel die Bäume nicht endlos in den Himmel wachsen. Von den sechs Rennen zuvor hatte das Formel-1-Phänomen schließlich fünf gewonnen. Auch wenn es kein Sieg gegen Vettel war, löste dieser Erfolg doch die Hoffnung aus, den Überflieger künftig wieder häufiger auf der Piste schlagen zu können. Doppel-Champion Fernando Alonso, der bestenfalls noch Vizeweltmeister werden kann, räumte freimütig ein: «Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn das letzte Rennen vorbei ist und wir so schnell wie möglich an 2012 denken können.»

Vettel zog nach dem schnellen Aus süffisant Bilanz: «Das war ja insgesamt kein schlechtes Jahr für uns.» Mit der frühzeitigen und frappierend souveränen Titelverteidigung, der Einstellung von Nigel Mansells Uralt-Rekord bei den Pole-Positionen und einigen weiteren Bestmarken hat der 24-Jährige eindrucksvoll bewiesen, dass ihm die Zukunft gehört. «Formel Schumi» ist längst Geschichte, «Formel Vettel» die Gegenwart.

In zwei Wochen will der Doppel-Weltmeister in Sao Paulo seine Vormachtstellung mit einem «Finale furioso» zementieren und seine Super-Saison krönen. Mit einem Sieg soll zugleich die Scharte von Abu Dhabi ausgewetzt werden. «Ich freue mich auf Brasilien», sagte Vettel. Dass er nun den Rekord seines Kumpels Michael Schumacher von 13 Saisonsiegen nicht knacken kann, wurmt den ehrgeizigen Vettel zwar, aber ihm bleiben ja noch viele Chancen dazu.