Freiburg (dpa) - Hermann Herder gehörte einer der ältesten Verlegerfamilien Deutschlands an. Das traditionsreiche Familienunternehmen, den Herder Verlag in Freiburg, führte er in der fünften Generation.

Das von seinem Ur-Ur-Großvater Bartholomä Herder im Jahre 1801 gegründete Verlagshaus baute er mit einem erweiterten Verlagsprogramm aus. Am vergangenen Samstag ist Hermann Herder im Kreis seiner Familie gestorben, teilte der Verlag am Montag in Freiburg mit. Hermann Herder wurde 85 Jahre alt.

«In meiner Zeit als Verleger habe ich mich als Fährmann zwischen den Ufern verstanden», sagte Herder im vergangenen Januar rückblickend. Er war damals 85 Jahre alt geworden. Seinen Geburtstag hatte er im Familienkreis gefeiert. Seine Aufgabe sei es gewesen, den kirchlichen und werteorientierten Verlag in die sich wandelnde und moderne Gesellschaft zu führen, erinnerte er sich damals. Dies sei gelungen: Herder gehört heute zu den renommierten Verlagen im Land und ist nach eigenen Angaben der größte deutsche Verlag für Religion, Erziehung und Kultur.

Hermann Herder agierte als Verleger werteorientiert und, bei aller Selbstständigkeit des eigenen Urteils, in Treue zur römisch-katholischen Kirche. An Werten orientiert war er auch privat: Mit seiner Ehefrau Mechthild war er seit fast 52 Jahren verheiratet. Das Paar hat vier Kinder und acht Enkel.

Hermann Josef Romano Herder wurde am 19. Januar 1926 in der Heiligen Stadt Rom geboren. Er wuchs in Freiburg auf. Seinen Geburtsort habe er als Fingerzeig verstanden, erzählte Herder später in seinen Erinnerungen. Nach dem Jurastudium stieg er 1953 in den Verlag ein, der damals von seinem Vater geführt wurde. 1963 übernahm er die Gesamtverantwortung und setzte damit die Tradition des katholisch geprägten Verlages sowie seiner Familie fort.

«In den mehr als 200 Jahren der Geschichte des Verlags hat sich natürlich die Gesellschaft geändert und damit die Bedürfnisse der Leser», sagt Herder zu seinem 85. Geburtstag. Er habe die Aufgabe des Verlags und der Autoren deshalb darin gesehen, religiöse Themen für jedermann, vor allem auch Laien, verständlich zu machen. Dies bedeute nicht, dass die Werte infrage gestellt würden.

«Die Kunst besteht darin, sich dem Zeitgeist nicht anzupassen, sich ihm nicht zu unterwerfen, wohl aber sich ihm zu stellen, sich vom Zeitgeist herausfordern zu lassen», sagte Herder. Die Pflege der traditionellen Verlagsbereiche Theologie, Philosophie, Geschichte und allgemeine religiöse Literatur war daher sein Schwerpunkt.

Doch Herder zeigte vergleichsweise früh eine deutliche Bereitschaft zur Ökumene und setzte auf einen Dialog der Weltreligionen. Er baute im religiösen Verlagsprogramm den Anteil nicht-katholischer Autoren und Publikationen aus. Zudem kamen bei ihm auch Kritiker und Dissidenten des Katholizismus zu Wort.

Zusätzlich erweiterte Herder den nicht-theologischen Verlagsbereich. Er brachte Jugend-, Taschen- und Sachbücher auf den Markt und beschritt damit neue Wege. Damit sicherte er dem Verlag im härter werdenden Buchmarkt die wirtschaftliche Grundlage.

Zudem setzte Herder auf Expansion: Er engagierte sich für den zu Herder gehörenden spanischsprachigen Verlag in Barcelona und erwarb zu Beginn der 90er Jahre den renommierten theologischen Verlag Crossroad in den USA. Diese werden heute von seinen Kindern Gwendolin und Raimund Herder geleitet.

Ebenfalls Anfang der 90er Jahre geriet das Unternehmen in die Krise. Über die Sanierung zerstritt sich Herder mit seinen jüngeren vier Geschwistern, die zu gleichen Teilen am Geschäft beteiligt waren. Der Konflikt endete mit der Auszahlung der nicht im Verlag tätigen Verwandten. Um dies zu finanzieren, musste Herder den Großteil seiner damals bundesweit 15 Buchhandlungen verkaufen. Damals gehörte Herder zu den vier führenden Buchhandelsketten Deutschlands; die Buchläden erzielten rund die Hälfte des Umsatzes.

Nach 36 Jahren an der Spitze zog sich Hermann Herder 1999 aus dem Verlag zurück und übergab die Leitung an seinen Sohn Manuel. Dieser leitet den Verlag bis heute. Hermann Herder lebte zuletzt abwechselnd in Wien und in Freiburg.

Verlag