Peking (dpa) - Nach den ersten chinesischen Andockmanövern im All ist das Raumschiff «Shenzhou 8» sicher auf der Erde gelandet. Es hatte unter anderem eine deutsche Anlage zur Erforschung der Schwerelosigkeit an Bord.

Chinesische und deutsche Raumfahrtvertreter zogen eine positive Bilanz ihrer ersten Kooperation im All. In den 17 Tagen im All hatte das «Magische Schiff» auch zweimal an dem Raummodul «Tiangong 1» (Himmelpalast) angekoppelt. Damit ist China dem Bau einer Raumstation bis 2020 einen großen Schritt näher gekommen. Die Regierung in Peking feierte einen «wichtigen Meilenstein» für Chinas bemannte Raumfahrt.

Das Fernsehen zeigte Livebilder einer Infrarotkamera von der Kapsel, die in der abendlichen Dunkelheit an einem großen Fallschirm in Richtung Erde schwebte. Mit einer großen Staubwolke setzte die Kapsel auf dem Boden auf und blieb auf der Seite liegen. Hubschrauber und Fahrzeuge mit Bergungstrupps eilten zur Landestelle im Siziwang Banner der Inneren Mongolei, einer autonomen Region Chinas. Nach der Landung musste die «Simbox» genannte deutsche Versuchsanlage schnell mit einem Hubschrauber in ein Labor nach Peking gebracht werden.

Die Zusammenarbeit sei «schon heute eine Erfolgsgeschichte», sagte Projektleiter Markus Braun vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Die gemeinsame Forschung mit China habe «große Perspektiven und ein großes Potenzial», ergänzte er. «Wir sind sicher, dass wir erst am Anfang einer intensiven Zusammenarbeit stehen. Es gibt schon etliche Ideen.»

«Mit der "Simbox" haben wir den Sprung über die chinesische Mauer gewagt und Deutschland eine neue Partnerschaft in der bemannten Raumfahrt eröffnet», sagte DLR-Vorstandsmitglied Gerd Gruppe. Die neue Kooperation mit China erweitere die Möglichkeiten deutscher Wissenschaftler, im Weltraum zu forschen. «Ich sehe dies weniger als einen Wettbewerb zu unseren langjährigen, bewährten Kooperationspartnern USA und Russland, sondern als Ergänzung.»

Deutschland ist das erste Land, das eine Kooperation mit China im All aufnimmt. Nie zuvor ist eine ausländische Versuchsanlage auf einem chinesischen Raumschiff mitgeflogen. Die «Simbox» mit 17 biologischen und medizinischen Experimenten hat nach DLR-Angaben «reibungslos» und «fehlerfrei» funktioniert. Pflanzen, Fadenwürmer, Bakterien und menschliche Krebszellen wurden der Schwerelosigkeit und der Strahlung des Weltraums ausgesetzt.

Wissenschaftler der Universitäten Erlangen, Hohenheim, Magdeburg, Tübingen und Hamburg, Freiburg sowie der Charité Berlin sind an den Versuchen beteiligt. Neben sechs rein deutschen Experimenten gab es zwei Kooperationen mit China: Forscher der Universitäten Erlangen und Wuhan untersuchten in einem Mini-Ökosystem mit Algen und Schnecken die Stoff- und Energieflüsse.

Auch kristallisierten Wissenschaftler der Universität Hamburg und des Instituts für Biophysik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in der Schwerelosigkeit medizinisch relevante Proteine. Die Forscher erhoffen sich Ansatzpunkte, um Wirkstoffe gegen ein heute bereits weitgehend antibiotika-resistentes Bakterium und gegen Malaria-Erreger zu entwickeln.

Mit dem erfolgreichen Rendezvous im All steigt China nach den USA und Russland zur dritten Nation auf, die diese Technologie beherrscht. Obwohl das erste Andockmanöver der USA mit «Gemini 8» 45 Jahre zurückliegt, sehen Fachleute schnelle Fortschritte: «China gewinnt sehr schnell an Boden», sagte der australische Experte Morris Jones. Chinas Raumfahrttechnologie habe sich «bei einer sehr schwierigen Aufgabe als verlässlich erwiesen», sagte Jones. China könne jetzt Langzeitflüge mit Astronauten ins Auge fassen.

Auch wenn China heute auf dem Stand des amerikanischen «Gemini»-Programms der 60er Jahre stehe, könne es schnell aufholen, sagte auch die Professorin Joan Johnson-Freese vom US Naval War College der dpa. «China kann die Lernkurve schneller nehmen, weil es nur Kunststücke nachmacht, die andere schon gemacht haben.»

Chinas Raumfahrtprogramm

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