Fußball Moldenhauer distanziert sich von Stasi-Vorwürfen

Berlin (SID) - Der langjährige DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer hat bestritten, dass er zu DDR-Zeiten bewusst als Stasi-Mitarbeiter tätig war. Er habe nicht geahnt, dass ihn die Staatssicherheit der DDR als gesellschaftlichen Mitarbeiter geführt habe. "Ich habe erst 1994 davon gehört. Als ich an dem Tag davon erfahren habe, hätte ich mir am liebsten etwas antun wollen. So schlimm war das für mich", sagte der 69-Jährige in Berlin im Rahmen einer Talkrunde zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Moldenhauer war in den 60-er Jahren Torhüter des Fußball-Oberligisten 1. FC Magdeburg. Daneben arbeitete er im Magdeburger Schwermaschinenbaukombinat. Er habe im Betrieb Besuch von einer Person erhalten, die ihn ausgefragt habe, so Moldenhauer. "Derjenige wollte sich aber nur ein Bild über Industrieroboter machen. Als er zum dritten Mal kam und etwas über Personen wissen wollte, habe ich gesagt, da müsste ich lügen und das mache ich nicht", sagte der ehemalige Torhüter.

Anzeige

Nach der Wende machte Moldenhauer als Funktionär Karriere und sprach sich für eine rasche Verschmelzung des Ost-Fußballs mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus. 1990 wurde er Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), dessen Vorstand er bis Ende 2010 blieb. Die Berliner Zeitung hatte am Freitag berichtet, Moldenhauer habe 1984 mündlich seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Stasi erklärt.

Kritik am organisierten Sport und an der Politik im Deutschland der Nach-Wende-Zeit übte bei der Veranstaltung in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Geschichte die Publizistin und frühere Leichtathletin Brigitte Berendonk. Eine richtige Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit habe es nicht gegeben. "Die Chance, mit der Wende bei Null anzufangen, ist nicht genutzt worden. Die Westler hatten auch so viele Leichen im Keller. Sie hatten gar nicht das moralische Recht, sich so aufzuspielen. Beide Sportverbände waren nicht sauber. Und der unbedingte Erfolgswille auf beiden Seiten hat einen Neuanfang verhindert", sagte Berendonk, die 1968 und 1972 als Diskuswerferin an Olympia teilnahm.

Berendonk, Ehefrau des bekannten Doping-Experten Werner Franke, gilt als eine Pionierin auf dem Gebiet des journalistischen Kampfes gegen Doping. Schon nach Olympia in Mexiko City 1968 hatte sie bei vielen Sportlerinnen die Einnahme von männlichen Hormonen erkannt und war entsetzt. Im großen Stil berichtete sie über ihre Entdeckungen in deutschen Zeitungen. 1991 sorgte sie mit der Veröffentlichung ihres Buches "Doping Dokumente. Von der Forschung zum Betrug" für Schlagzeilen.

 
  • Quelle sid
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

  • Anzeige
Service