Berlin (dpa) - Eren Derdiyok hat Bayer Leverkusen mit drei Toren in Berlin einen ganz großen Champions-League-Kater erspart, dennoch reist die «Werkself» mit viel Frust aus der Hauptstadt.

Nach dem 2:1-Streich gegen den FC Chelsea kam Bayer in der Fußball-Bundesliga über ein 3:3 (1:2) bei Aufsteiger Hertha BSC nicht hinaus.

In einem verrückten und unterhaltsamen Spiel hatte der Schweizer Derdiyok mit seinem Dreierpack in der 24., 64. und 79. Minute zwar einen 0:2-Rückstand noch aufgeholt. Doch Pierre-Michel Lasogga (82.) rettete den Gastgebern vor 44 541 Zuschauern noch das Remis. «Wir haben uns am Ende den Punkt erkämpft und verdient», erklärte Berlins U 21-Nationalspieler.

Der ehemalige Leverkusener Juniorenspieler Lasogga (7.) sowie ein Eigentor von Ömer Toprak (17.) hatten die mutigen Gastgeber schnell in Vorhand gebracht. Am Ende sicherte Hertha-Schlussmann Thomas Kraft gegen den eingewechselten Stefan Kießling mit einer Blitzreaktion noch den Punkt. Mit 22 Punkten rückte Bayer in der Tabelle am 14. Spieltag vorerst auf Rang sechs. Die Berliner, die nun schon sechs Spiele nacheinander gegen Leverkusen unbezwungen sind, bleiben mit 18 Zählern Zehnter.

Die Leverkusener, bei denen Daniel Schwaab, André Schürrle und der Schweizer Nationalstürmer Derdiyok in die Startelf gerückt waren, träumten offensichtlich noch vom 2:1-Erfolg gegen Chelsea - Hertha bedankte sich. Dabei nahmen die Hausherren das erste Bayer-Geschenk nicht einmal an. Nach einem Handspiel von Schwaab auf der 16-Meter-Linie schoss Lewan Kobiaschwili den Elfmeter so schwach, dass die Stuttgarter Leihgabe Bernd Leno den Ball parierten konnte. Und auch der Nachschuss des Georgiers führte nicht zum Erfolg (5.).

Nur zwei Minuten später machte es Hertha besser. Mit einem mustergültigen Steilpass schickte Andreas Ottl den trickreichen Berlin-Brasilianer Raffael auf Reisen, dessen Eingabe schob Lasogga zu seinem fünften Saisontor ins Netz. Im Sommer 2010 war der von Bayer 04 zum damaligen Zweitligisten Hertha gewechselt, da in Leverkusen die Stürmerkonkurrenz übermächtig erschien.

Vor dem 2:0 brachte Nikita Rukavytsya, den Berlins Chefcoach Markus Babbel für den an einer Oberschenkelblessur leidenden Adrian Ramos aufgeboten hatte, einen Freistoß scharf in den Bayer-Strafraum. Toprak verlängerte unglücklich mit dem Kopf, Leno blieb ohne Chance.

Die danach etwas zu sehr euphorisierten Berliner, bis dahin hervorragend organisiert, versuchten es nach der überraschend schnellen Führung mit zu viel Zauber. Ein Pass von Lars Bender hebelte die Hertha-Abwehr aus, Derdiyok schob ein. Dennoch hätte das Babbel-Team noch vor der Pause für eine Vorentscheidung sorgen können. Doch Rukavytsya brachte den Ball nicht zum freien Lasogga. Raffael traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz.

So bekam der Champions-League-Achtelfinalist nach der Pause noch eine neue Chance, zumal Kobiaschwili erneut an Leno scheiterte (63.). Einen Schuss von Schürrle konnte Hertha-Keeper Kraft noch parieren, im Nachsetzen traf Derdiyok. Der eingewechselte Gonzalo Castro verfehlte das Hertha-Tor nur ganz knapp (70.), ehe Derdiyok zum dritten Mal zuschlug. Am Ende aber jubelte noch einmal Hertha über den sechsten Saisontreffer von Lasogga.