Sao Paulo (dpa) - Sebastian Vettel hat mit der 15. Pole Position in einer Saison ein weiteres Kapitel Formel-1-Geschichte geschrieben.

Der jüngste Doppelweltmeister der Königsklasse eroberte in der letzten Qualifikation in diesem Jahr erneut den besten Startplatz und überholte damit den Briten Nigel Mansell, der 1992 14 Mal auf Pole gestanden hatte. «Die Zahl 15 stellt was ganz besonderes dar. Es macht mich sehr stolz. Man kann sich das Anfang der Saison nicht als Ziel setzen. Sowas passiert einfach», sagte Vettel und sprach immer noch respektvoll von «Master Mansell».

Vettel ist nach Michael Schumacher (2001) und Nico Hülkenberg im vergangenen Jahr der dritte deutsche Pilot, der von der Pole in den Großen Preis von Brasilien startet. Und der 24 Jahre alte Red-Bull-Pilot machte diesmal kurzen Prozess. Nachdem er mehr als einmal in diesem Jahr praktisch erst in letzter Sekunde die Quali-Bestzeit aufgestellt hatte, sorgte er diesmal früh für Klarheit.

Kurz vor Schluss verbesserte er die eigene schnellste Runde sogar noch einmal und blieb in fabelhaften 1:11,918 Minuten als einziger unter der Marke von 1:12 Minuten. «Während der Runde ist es wie ein Rausch», gestand Vettel. Selbst seine Mechaniker hätten ihn jüngst beim gemeinsamen Abendessen gefragt, wo er bloß die Zehntelsekunden verstecken würde. «Ich habe alles in die letzte Runde gesteckt», erklärte er.

Wie zum weiteren Beweis für die Red-Bull-Herrschaft machte Mark Webber auf Platz zwei die erste Startreihe für das Weltmeister-Team perfekt. «Enttäuscht» sei er, nicht selbst die Pole geholt zu haben, meinte der Australier. Dritter wurde der WM-Zweite Jenson Button im McLaren vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton und Ferrari-Star Fernando Alonso. «Ich genieße das erstmal. Ich bin zehn Plätze besser als im vergangenen Jahr», meinte Button.

Rekordweltmeister Michael Schumacher kam nur auf den zehnten Rang, nachdem er sich mit gerade mal 13 Tausendstelsekunden Vorsprung soeben noch in den entscheidenden Durchgang mit seinem Silberpfeil gerettet hatte. Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg schaffte in der Endabrechnung den sechsten Platz. Adrian Sutil aus Gräfelfing im Force India wurde Achter. Für Timo Glock aus Wersau war im unterlegenen Rennauto von Marussia Virgin auch im 19. Versuch bereits im ersten Durchgang Schluss. Besonders bitter: Der 29-Jährige wurde Letzter.

Landsmann Vettel brachte sich dagegen für das Finale seiner famosen Saison in (Pole) Position. Leicht wollten es ihm die in der Meisterschaft schon seit langem geschlagenen Widersacher aber nicht machen. Im ersten Zeitabschnitt legte Button die Bestzeit vor. Teamkollege Hamilton, der vor zwei Wochen nach dem Reifenplatzer und Ausfall von Vettel den Großen Preis von Abu Dhabi gewonnen hatte, bestätigte mit der zweitschnellsten Runde die Stärke der McLaren auf dem buckeligen Kurs.

Sorgen machte beim Qualifying das Wetter: Der Himmel zog sich über dem Kurs immer mehr zu, die Luftfeuchtigkeit stieg bei Temperaturen um die 30 Grad immer weiter an. Der befürchtete Regen blieb aber aus.

Und Vettel behielt in den entscheidenden zehn Minuten einmal mehr in beeindruckender Manier die Nerven, während Webber sich auch noch im Rennen um die Vizemeisterschaft hielt. Der Australier hat allerdings 22 Punkte Rückstand auf Button, dazwischen liegt noch Alonso. Dem zweimaligen Champion fehlen zehn Zähler auf Button.