Frankfurt/Main (dpa) - Die Hoffnung auf Fortschritte in der Schuldenkrise haben den Dax zum Wochenauftakt auf den höchsten Stand seit Ende Oktober getrieben.

Nachdem der deutsche Leitindex in der vergangenen Woche um elf Prozent geklettert war, legte er am Montag um 0,42 Prozent auf 6106,09 Punkte zu und schloss damit so hoch wie seit fünf Wochen nicht mehr. Der MDax stieg um 0,63 Prozent auf 9043,87 Punkte und der TecDax rückte um 0,72 Prozent auf 702,13 Punkte vor.

«Anleger erwarten vom EU-Gipfeltreffen Ende der Woche ein richtungweisendes und nachhaltiges Paket zur Lösung der Krise in der Eurozone», sagte Gregor Kuhn von IG Markets. «Ob der sich derzeit an den Märkten widerspiegelnde Optimismus gerechtfertigt ist, wird sich auf dem EU-Gipfel zeigen.» Der Händler warnte vor überzogenen Erwartungen. «Sämtliche Beschlüsse und Lösungspakete der vergangenen Euro-Gipfel hatten eine extrem kurze Halbwertzeit. Das Enttäuschungspotenzial ist also groß.»

Wieder mal im Fokus standen die Papiere der Commerzbank. Die Aktien der teilverstaatlichen Bank brachen am Dax-Ende zeitweise um knapp neun Prozent ein, nachdem der «Spiegel» berichtet hatte, dass die Bundesregierung eine vollständige Verstaatlichung der Bank nicht ausschließe. Im Handelsverlauf reduzierten sie ihre Verluste etwas und gingen mit einem Minus von 4,14 Prozent auf 1,437 Euro aus dem Handel.

Berlin lehnt es laut «Spiegel» ab, lediglich die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo zu übernehmen. Marktteilnehmer werteten dies als Enttäuschung. Eine zumindest teilweise Herausnahme der Eurohypo wäre auch aus Sicht vieler Analysten «ein Befreiungsschlag» für die Commerzbank. Die Bank selbst trat mit der Ankündigung auf den Plan, zur Stärkung ihrer Kapitaldecke eigenkapitalähnliche Papiere zurückzukaufen.

Auch SAP-Aktien büßten deutlich ein. Nach einer angekündigten Milliardenübernahme verlor das Papier 2,48 Prozent auf 43,605 Euro. Europas größter Softwarekonzern zahlt 3,4 Milliarden Dollar (2,5 Mrd Euro) für das US-Unternehmen SuccessFactors, das auf Cloud-basierte Personalverwaltungssoftware spezialisiert ist. Marktteilnehmer lobten den strategischen Hintergrund, wiesen aber auch auf den hohen Preis hin.

ThyssenKrupp setzte sich mit einem Plus von knapp drei Prozent auf 18,325 Euro an die Dax-Spitze. Der Verkauf der Werfttochter Blohm+Voss an den britischen Finanzinvestor Star Capital Partners soll laut «Financial Times Deutschland» binnen 14 Tagen unterschriftsreif sein.

Tui-Titel legten nach schwankendem Kursverlauf um 1,12 Prozent auf 4,247 Euro zu. «Die Welt» hatte berichtet, dass die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur einen neuen Anlauf nimmt, den Hamburger Konkurrenten Hapag-Lloyd zu kaufen. NOL dementierte dies allerdings. Zudem meldete sich Tui Travel mit Zahlen zu Wort. Die wichtigste Tochter des Reisekonzerns Tui hatte den Sprung in die Gewinnzone geschafft.

Auch die übrigen Börsen zeigten sich zum Wochenauftakt freundlich. Der Eurostoxx 50 stieg um 1,15 Prozent auf 2369,39 Punkte, und auch in Paris und London legten die Leitindizes zu. In New York lag der Leitindex Dow Jones zum europäischen Handelsschluss etwas mehr als ein Prozent im Plus.

Am deutschen Rentenmarkt zog die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,78 (Vortag: 1,77) Prozent leicht an. Der Rentenindex Rex fiel um 0,06 Prozent auf 129,77 Punkte. Der Bund Future fiel um 0,60 Prozent auf 134,70 Punkte. Der Kurs des Euro zog an und stieg zuletzt in Richtung 1,35 Dollar, nachdem er am Freitagabend deutlich gefallen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,3442 (Freitag: 1,3511) Dollar festgesetzt.