Essen/Düsseldorf (dpa) - Die Energieversorger setzen den Rotstift an: Tausende Stellen sollen gestrichen werden.

Während bei Vattenfall noch über Einsparpotentiale verhandelt wird, will Eon 11 000 Arbeitsplätze bis 2015 streichen und schließt auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Beim Essener Energiekonzern RWE rechnet Verdi dagegen nicht mit negativen Überraschungen.

Verdi-Landesfachbereichs-Leiter Peter Lafos, Mitglied im RWE-Aufsichtsrat, sagte, er erwarte bei RWE keinen höheren Personalabbau über das bekannte Maß hinaus. «Ich erwarte nichts überraschendes im Moment.» Die «Rheinische Post» hatte berichtet, dass mehr als 8000 der 72 000 Stellen wegfallen sollen. RWE bestätigt die Zahl nicht, sieht aber auch keine neuen Maßnahmen hinter den Angaben. Lafos zufolge setzt sich die Zahl aus einer Reihe schon beschlossener Maßnahmen zusammen. Nach bisherigen Angaben sollen bei RWE 2000 bis 3000 Stellen in Deutschland wegfallen, tausende weitere im internationalen Geschäft.

In Berlin demonstrierten am Montag rund 2000 Beschäftigte von Vattenfall gegen Sparpläne des Energieversorgers. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet Standortschließungen und einen Stellenabbau beim Kundenservice in Berlin und Hamburg. Rund 900 Menschen arbeiten derzeit in dem Bereich. Sie sind nach Unternehmensangaben zu etwa gleichen Teilen auf die beiden Städte verteilt. Die Gewerkschaft befürchtet, dass die Hälfte der Stellen wegfallen könnte. Diese Zahl bestätigte ein Vattenfall-Sprecher nicht.

Über Umbaupläne und Einsparungen im Kundenservice von Vattenfall wird seit längerem verhandelt. An diesem Dienstag wolle der Konzernvorstand in Schweden über den weiteren Verhandlungsweg in dem Bereich entscheiden. Der Kundenservice könne entweder in abgespeckter Variante im Konzern verbleiben oder ausgelagert werden. Historisch bedingt gebe es in dem Bereich hohe Personalkosten. Vattenfall Europe beschäftigt knapp 20 000 Mitarbeiter in Deutschland. In den kommenden Jahren will der schwedische Konzern rund 600 Millionen Euro einsparen.

Anders als die Arbeitnehmerseite beim Konkurrenten Eon, die sich von der Unternehmensführung ausgeschlossen und schlecht informiert fühlt, geht Lafos bei RWE von kooperativen Verhandlungen aus. «Klar ist für alle Versorger, dass die Entscheidung der Bundesregierung zum früheren Atomausstieg Arbeitsplätze kosten wird», sagte er. Bei der Düsseldorfer Eon ist der Ton schärfer. Das Unternehmen will 11 000 Arbeitsplätze bis 2015 streichen und schließt dafür im schlimmsten Fall auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Die Gewerkschaften gehen dagegen an.

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