Rom (dpa) - Italiens Regierungschef Mario Monti macht Ernst: Ein erstes Sparpaket von geschätzten 24 Milliarden Euro kann nun - schneller als erwartet - der EU als italienischer Beitrag gegen die Euro-Schuldenkrise präsentiert werden. Bis Weihnachten soll es die parlamentarischen Hürden überwunden haben.

Die Finanzmärkte reagierten am Montag erstmal positiv, doch der eigentliche Test steht dem früheren EU-Kommissar mit dem heißen Draht nach Brüssel noch bevor. Denn was den Italienern von der Technokraten-Regierung als «letzte Chance» für ihr gefährlich hoch verschuldetes Land zugemutet wird, das stößt bereits auf kräftigen Gegenwind.

Hier werde «Kasse auf Kosten der Armen gemacht», sagt Susanna Camusso. Die Chefin der mächtigsten Gewerkschaft CGIL lehnt das Programm des «Professore» als «sozial unerträglich» ab. Vor allem eine Rentenreform ist den Arbeitnehmervertretern ein Dorn im Auge.

Der Reform zufolge wären die Renten erst nach mehr als 40 Beitragsjahren auszuzahlen, ab 2012 würde am Inflationsausgleich für Rentner gespart, und eine Beitragspflicht soll für alle eingeführt werden. Montis Regierung laufe Gefahr, eine ungerechte Politik wie zuvor Silvio Berlusconi zu machen, warnte Camusso. Andere Gewerkschaften sahen es ähnlich: Wie üblich zahlten die sozial Schwächeren.

«Wir müssen gemeinsam agieren, um uns durchzusetzen», forderte Camusso am Montag. Italiens Arbeitnehmervertreter - sonst nicht so ganz leicht auf einen Nenner zu bringen - könnten im Kampf gegen die schmerzhaften sozialen Einschnitte nun zusammenfinden. Wenig scheinen Montis Ermahnungen zu helfen, dass das Land mit seinem Schuldenberg von über 1,8 Billionen Euro ohne die Reformen ein böses Ende nehme.

«Ohne dieses Sparpaket bricht Italien zusammen und endet in einer Situation wie Griechenland», betonte der 68-Jährige am Montag erneut. Dabei geht es dem Ex-EU-Mann nicht nur um Italien: Ein «Bankrott Italiens» und ein «zerstörter Euro» wären schlimmer als die «Entbehrungen heute», ist Monti sich sicher. Die Tränen seiner Arbeits- und Sozialministerin, Elsa Fornero, bei der Präsentation der Rentenreform werden in den italienischen Medien zum Sinnbild der der erwähnten Opfer.

Viele empfinden die Maßnahmen als ungerecht. «Das Dekret war notwendig, aber es hätte gerechter sein können», meinte die italienische Bischofskonferenz am Montag. Das Reformpaket treffe vornehmlich und hart den unteren Mittelstand und die Armen, während bei den Besserverdienenden nur leicht gefeilt werde, kritisierten auch Teile der politischen Linken, die doch Montis Regierung unterstützt. Zu wenig wiegen ihr die Kürzungen und personellen Straffungen auf politischer Ebene und im Öffentlichen Dienst und die Besteuerung von Luxusgütern gegenüber den geforderten Opfern auf der anderen Seite, zu geringfügig die wachstumsfördernden Maßnahmen.

Roberto Calderoli von der Lega Nord - Ex-Minister unter Montis international umstrittenem Vorgänger Silvio Berlusconi - polterte, anstatt «Dekret zur Rettung Italiens» müsse man von «Dekret zur Tötung Italiens» sprechen. Seine populistische Nordpartei hatte am Tag des Dekrets erneut mit Sezession gedroht.

Monti hatte in den vergangenen Tagen alle dazu aufgefordert, an einem Strang zu ziehen. Ob das der Fall sein wird, können erst die nächsten Wochen zeigen. Die schmerzhaften Reformen sollen bereits dem EU-Krisengipfel am nächsten Freitag in Brüssel präsentiert werden. Um langfristig glaubwürdig zu sein, braucht Monti jedoch eine möglichst breite politische und gesellschaftliche Unterstützung für sein Sparprogramm.

Während Europa Monti wohl einigen Respekt zollen dürfte, könnte der Widerstand im Land noch wachsen, sobald seine harten Maßnahmen umgesetzt werden. Oberstes Ziel, von Berlusconi eingebracht und von Monti bekräftigt und beschleunigt, ist der versprochene ausgeglichene Staatshaushalt bis 2013 und mehr Wirtschaftswachstum.

Mehr Wettbewerb, ein flexibler Arbeitsmarkt und weniger Bürokratie könnten schon helfen, meinen Experten. Monti dürfte am besten wissen, dass es mit diesem einen Paket nicht getan sein wird.