Rio de Janeiro (SID) - Joao Havelange ist als Doyen des Internationalen Olympischen Komitees dem beabsichtigten Ausschluss aus dem IOC offenbar zuvorgekommen. Der langjährige Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA (1974 bis 1998) teilte in Rio de Janeiro mit, dass er als Ehrenmitglied zurücktrete. Dies bestätigte das IOC am Montagabend. Havelanges Entscheidung fiel wenige Tage vor einer geplanten Anhörung des Funktionärs vor einer Ethik-Komission des IOC. Nach deren Ermittlungen drohte dem 95-Jährigen nach SID-Informationen am Donnerstag der Ausschluss wegen einer Schmiergeld-Affäre.

Nur Verwarnungen durch das IOC drohen am Donnerstag wohl zwei anderen IOC-Mitgliedern, die ebenfalls in Bestechungsaffären um die mit über 200 Millionen Euro Verlust in Konkurs gegangene Sportmarketing-Agentur ISL verwickelt waren: Dem Chef des afrikanischen Fußball-Verbandes, FIFA-Vizepräsident Issa Hayatou (Kamerun), und Lamine Diack (Senegal), dem Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.

Havelange, der im Vorfeld der WM 1974 in Frankfurt/Main zum FIFA-Präsidenten gewählt worden war, wurde nach 24 Jahren Amtszeit 1998 an der Spitze des Weltverbandes vom aktuellen Präsidenten Joseph S. Blatter abgelöst. Im IOC, dem er seit 1963 angehörte, war Havelange dienstältestes Mitglied. Der als Schwimmer bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin und als Wasserballer 1952 in Helsinki gestartete Sohn belgischer Einwanderer hatte der FIFA in seiner Amtszeit große Finanzkraft verschafft. Der erfolgreiche Unternehmer war nach der Amtsübergabe an Blatter zum Ehrenpräsidenten ernannt worden.

Wie der englische Rundfunksender BBC herausgefunden haben will, soll Havelange der ehemaligen Marketing-Agentur der FIFA während seiner Amtszeit lukrative WM-Verträge verschafft und über Tarnfirmen hohe Summen kassiert haben. Ähnlich sein damaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira, der als Präsident des brasilianischen Fußballverbandes Chef des Organisationskomitees für die WM 2014 und FIFA-Exekutivmitglied ist.

Havelange hatte 2009 mit seiner Rede bei der IOC-Session in Kopenhagen hohen Anteil daran, dass Rio de Janeiro die Sommerspiele 2016 bekam. Damals hatte er den Wunsch ausgedrückt, sieben Jahre später bei Olympia in seiner Heimat den 100. Geburtstag feiern zu wollen. Nach derzeitigen Planungen werden die Spiele 2016 in Rio im Joao-Havelange-Stadion eröffnet - so hatte es jedenfalls der damalige brasilianische Staatspräsident Lula versprochen.