Berlin (dpa) - Der DFB will in der Debatte um den Nachfolger von Präsident Theo Zwanziger eine schnelle Lösung, im Rennen sind wohl nur noch Favorit Wolfgang Niersbach und Überraschungskandidat Erwin Staudt. Liga-Chef Reinhard Rauball verzichtete auf eine Bewerbung.

Für den FC Bayern winkte Präsident Uli Hoeneß ab. Schon am Mittwoch wollen die Landesverbandsvorsitzenden und das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt/Main die Weichen für die Post-Zwanziger-Ära stellen. «Möglicherweise wird es danach mehr Klarheit geben», sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker.

Sicher ist, dass Rauball als Vertreter des Profifußballs keine Ambitionen hegt. «Ich habe den Mitgliedern erklärt, dass es bei mir zu keinem Zeitpunkt die Überlegung gab, für das Amt zu kandidieren», sagte der Präsident des deutschen Meisters Borussia Dortmund vor den 36 Vertretern der ersten und zweiten Liga.

Zur Personaldebatte meinte Rauball: «Ich werde 72 Stunden nach einer Rücktrittsankündigung nicht erklären, wer der Nachfolgekandidat wird.» Die Amateurvertreter sollten jetzt «erst mal einen Vorschlag machen, dann werden wir in der Liga überlegen, wie wir uns dazu verhalten».

Mit aller Macht soll ein schlagzeilenträchtiger Wahlkampf innerhalb des größten Sportfachverbandes der Welt vermieden werden. «Wir müssen aufpassen, dass wir keine Nachfolge-Diskussion à la Gottschalk haben», mahnte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Vor allem in den Landesverbänden wirkt noch immer der eigenwillige Abschieds-Coup Zwanzigers nach. In der Nachfolge-Frage sind die Regionalfürsten gespalten, ein klares Votum ist nicht zu erkennen. DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher, zugleich Fußball-Chef in Westfalen, hält sowohl Niersbach als auch Ligavorstands-Mitglied Staudt für «respektable und kompetente Anwärter».

Als erster Spitzenfunktionär machte sich DFB-Vize Karl Rothmund für Staudt stark. «Staudt als Präsident und Wolfgang Niersbach als Generalsekretär, das wäre für mich eine Traumkombination», sagte der einflussreiche Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes, der als Vertrauter von Zwanziger gilt.

Hinter den Kulissen ist der Wahlkampf längst entbrannt - öffentlich hält sich Niersbach total zurück, Staudt fühlt sich geschmeichelt. «Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zu sein, das ist eine der schönsten Aufgaben, die es in Deutschland gibt. Ich traue mir das zu», sagte der frühere Präsident des VfB Stuttgart und IBM-Manager. «Wenn es in einem demokratischen Prozess entschieden würde, wäre ich bereit für dieses Amt.»

Am Sonntag soll es ein Dreier-Treffen mit Zwanziger, Niersbach, Staudt gegeben haben. Der Stuttgarter gilt im Spannungsfeld zwischen Amateur- und Profifußball als möglicher Vermittler. Dumm nur für den Schwaben, dass der medial omnipräsente Franz Beckenbauer den kaiserlichen Segen bereits seinem Freund Niersbach erteilt hat: «Er ist in meinen Augen der Beste.» Zu Staudt sagte Beckenbauer: «Er ist ein hervorragender Mann und ein super Mensch dazu. Aber er kommt aus der Liga. Gewählt wird er von den Verbänden, da hat er wenig Chancen. Ich glaube, dass die Wahl in eine andere Richtung geht.»

Andere sehen das nicht so. Er verkörpere «das Scharnier zwischen Liga und Amateurfußball», meinte Korfmacher. Staudt könnte als eine Art Zwischenlösung ein guter Kompromiss sein. Entscheidend wird sein, ob Staudt den vielen Vertretern des Amateur-Fußballs, die mehrheitlich den neuen DFB-Präsidenten bei einem außerordentlichen Bundestag wählen, vermittelt werden kann.

Niersbach genießt sowohl bei den Landesfürsten als auch bei den Dachverbänden UEFA und FIFA enormes Ansehen und hat ein hohes Standing bei der Deutschen Fußball Liga (DFL). «Dass Wolfgang Niersbach ein Generalsekretär ist, der durchaus höhere Fähigkeiten hat über dieses Amt hinaus, also auch als DFB-Präsident, das weiß jeder, der in der Tagesarbeit mit dem DFB zu tun hat», sagte Rauball. «Ich halte es aber für sinnvoll, dass die Amateurvertreter einen Vorschlag machen sollen.»

Seit 38 Jahren ist der heutige Generalsekretär im Geschäft, angefangen hat er als Sportjournalist. Beckenbauer würde sogar so weit gehen, für einen Verbandschef Niersbach die Statuten zu ändern und das DFB-Präsidentenamt zu einem bezahlten Job zu machen.

Sein Präsidentschaftsnachfolger beim Branchenprimus FC Bayern hält sich aus der bundesweiten Debatte heraus. «Ich möchte mich in die personellen Diskussionen nicht einmischen», sagte Uli Hoeneß, der sich selbst in München bestens aufgehoben fühlt. «Meine Position ist Präsident des FC Bayern. Da habe ich so viele Aufgaben in den nächsten Jahren, da verschwende ich keinen Gedanken, nach Frankfurt zu gehen.»