Frankfurt/Köln (dpa) - Der insolvente Frankfurter Eichborn Verlag wird endgültig unter das Dach der Kölner Verlagsgruppe Bastei Lübbe schlüpfen. Bereits am vergangenen Freitag haben Bastei Lübbe und der Insolvenzverwalter die Kaufverträge unterzeichnet.

Bastei Lübbe erwarb nach eigenen Angaben von Montag rückwirkend zum 1. November 2011 den Verlagsnamen, das Verlagslogo, die Websites, das Warenlager und die Rechte des Verlages. Wie hoch der Kaufpreis war, ist nicht bekannt. Von den zuletzt noch 20 verbliebenen Eichborn-Beschäftigten werden einige wenige nach Köln mitgehen, sagte ein Eichborn-Sprecher.

«Wir haben uns für die nächsten Jahre viel vorgenommen», teilte Verleger Stefan Lübbe mit: «Mein Team und ich freuen uns sehr auf den frechen Verlag mit der Fliege.» Rund zwölf neue Titel seien für das Frühjahrsprogramm 2012 in Vorbereitung. «Es ist eine Art Übergangsprogramm, und mehr Neuheiten sind in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht realisierbar. Für künftige Programme sind aber dann pro Jahr circa 50 Novitäten geplant», sagte Geschäftsführer Klaus Kluge.

Ab dem nächsten Jahr werden die 700 lieferbaren Eichborn-Titel über die Vereinigte Verlagsauslieferung (VVA) vertrieben. «Das Bastei Lübbe Team übernimmt ab sofort den aktiven Vertrieb der Eichborn-Titel», hieß es in Köln. Laut Bastei Lübbe betrug der Eichborn-Umsatz im laufenden Geschäftsjahr rund 6,5 Millionen Euro. Einige der verbliebenen Eichborn-Mitarbeiter in Frankfurt hätten ein Übernahmeangebot von Lübbe erhalten, drei hätten bereits zugesagt. Eichborn-Sprecher Dieter Muscholl sagte der dpa, dass etwa einem Drittel der 20 Beschäftigten ein Angebot gemacht worden sei. Vor einigen Jahren hatte Eichborn noch fast 70 Beschäftigte.

Der 1980 gegründete Eichborn Verlag - der einzige börsennotierte Publikumsverlag in Deutschland - hatte Mitte Juni Insolvenz angemeldet. Die Anfang des Jahres beschlossene Fusion mit dem Aufbau Verlag in Berlin war gescheitert. Im September hatte der Aufbau-Verlag ein Übernahme-Angebot vorgelegt, das der Insolvenzverwalter aber als unzureichend ablehnte. Das Angebot von Bastei Lübbe vom Oktober wurde als akzeptabel eingestuft. Im November erwarb Aufbau die von Hans Magnus Enzensberger gegründete Eichborn-Reihe «Die Andere Bibliothek».

Die Rettung Eichborns nannte Verlagssprecher Muscholl eine «gute Nachricht» - auch wenn nur wenige der alten Mitarbeiter in Köln weitermachten. Frankfurt verliere aber nach dem Weggang von Suhrkamp mit Eichborn einen weiteren Verlag, bedauerte er. Suhrkamp war Anfang 2010 von Frankfurt nach Berlin umgezogen.