Köln (SID) - Bundestrainerin Silvia Neid, Nationaltorhüterin Nadine Angerer und Abwehrspielerin Saskia Bartusiak haben die riesigen Erwartungen an und den großen Druck auf die Frauenfußball-Nationalmannschaft für das Scheitern bei der Heim-WM mitverantwortlich gemacht. "Nach den Erfahrungen, die wir alle gemacht haben, würden wir die WM heute gewinnen. Davon bin ich überzeugt", sagte Angerer der Bild am Sonntag.

Vor dem Turnier hatten Trainerin, Spielerinnen und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf einen Schub für den Frauenfußball durch die Heim-WM gehofft und eine große Imagekampagne gefahren. Offenbar lähmte das enorme Interesse den Favoriten dann aber.

Wie Neid erklärte, habe man schon vor Turnierbeginn gemerkt, dass die Spielerinnen "nicht mehr die Leichtigkeit hatten, die zuvor da war. Dann haben wir Norwegen im letzten WM-Test 3:0 besiegt - mit Toren in der Schlussphase! Wir haben gesehen, dass es nicht rund lief, aber die Öffentlichkeit hat nur diskutiert: Wer wird unser Gegner im Finale?"

Auch Angerer und Bartusiak bekannten, dass die ungewohnte mediale Aufmerksamkeit die Mannschaft überrollt habe. "Alles hat nur von uns geredet. Man hatte keine Chance, dem irgendwie zu entweichen - nicht mal für einen kleinen Moment", sagte Bartusiak. Und Angerer ergänzte: "Wir hatten einfach keine Ruhe. Selbst in unserem Hotel war immer was los. Bei der WM in China vor vier Jahren waren abends auf unserer Etage immer die Türen offen, weil wir total entspannt waren. Diesmal wars so, dass jeder die Tür zugemacht hat, damit man mal wenigstens zehn Minuten Ruhe hat."

Der zweimalige Weltmeister Deutschland hatte sich mit großen spielerischen Problemen durch die Vorrunde gemüht und war schließlich im Viertelfinale gegen den späteren Titelträger Japan verdient mit 0:1 nach Verlängerung ausgeschieden. Wie Neid einräumte, tue diese Niederlage auch fünf Monate nach dem vorzeitigen WM-Aus noch weh. Die Japanerinnen hätten "das Turnier ihres Lebens" gespielt: "Wir haben aber auf jeden Fall an Sympathien, an Fans, an Persönlichkeit gewonnen."

Zudem sei man "menschlich gewachsen" und habe "den Umgang mit einer riesigen Niederlage" gelernt, so Neid weiter: "Wir sind als Team noch enger zusammengerückt. Wenn wir uns jetzt treffen, sind wir uns näher. Gemeinsam haben wir jetzt das Ziel, uns für die EM 2013 in Schweden zu qualifizieren."