Abuja (dpa) - Bei einem Bombenanschlag auf eine katholische Kirche nahe der nigerianischen Hauptstadt Abuja sind nach Angaben der Rettungskräfte am ersten Weihnachtstag zwölf Menschen getötet worden. Der Sprengkörper explodierte vor der Kirche St. Theresa in der Stadt Madalla.

Nigerianische Medien berichteten, ein angeblicher Sprecher der radikalislamischen Sekte Boko Haram habe die Verantwortung für den Anschlag übernommen. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht.

Eine weitere Explosion ereignete sich nahe einer Kirche in der zentralnigerianischen Stadt Jos. Hier wurden mehrere Menschen verletzt, berichteten Augenzeugen. Auch Gewehrfeuer sei zu hören gewesen. In Abuja verließen viele Christen frühzeitig die Weihnachtsmessen aus Angst vor weiteren Anschlägen, berichteten nigerianische Medien.

In Madalla fand gerade eine Weihnachtsmesse statt, als die Bombe explodierte. Unter den Toten waren mindestens drei Polizisten. Außer den Toten gab es zahlreiche Verletzte. Die Rettungskräfte befürchten weitere Todesopfer, sagte ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur dpa. Die Explosion beschädigte auch umliegende Gebäude.

Man habe nicht genug medizinische Ausrüstung, um alle Opfer in Madalla zu versorgen, sagte die nigerianische Behörde für Notfallmanagement. Es fehle vor allem an Rettungswagen. Madalla war bisher nicht für religiös motivierte Gewalt bekannt.

Nach tagelangen Gefechten zwischen Regierungstruppen und den radikalen Islamisten der Boko Haram Sekte im Nordosten des Landes ist die Lage in Nigeria gespannt. Seit Donnerstag wurden Medienberichten zufolge mindestens 50 Sektenmitglieder getötet. Viele Bewohner sind auf der Flucht vor den Unruhen.

Im vergangenen Jahr gab es mehr als 80 Tote bei Angriffen auf christliche Weihnachtsfeiern. Bei Bombenanschlägen in Abuja an Silvester 2010 starben 30 Menschen. Nigeria ist mit etwa 150 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Süden leben hauptsächlich Christen, im Norden Muslime.