Abuja (dpa) - Bei einem Bombenanschlag auf eine katholische Kirche in der Nähe der nigerianischen Hauptstadt Abuja sind am ersten Weihnachtstag nach Angaben von Rettungskräften mindestens 15 Menschen getötet worden.

Augenzeugen berichteten sogar von 25 Toten, die aus dem schwer beschädigten Gebäude geborgen wurden. In Medienberichten war von drei weiteren Anschlägen die Rede. Angeblich soll die radikalislamischen Sekte Boko Haram hinter den Attacken stecken. Der Vatikan verurteilte die Gewalt.

Der Sprengkörper explodierte am Sonntag vor der Kirche St. Theresa in der Stadt Madalla bei Abuja. Eine weitere Explosion ereignete sich nahe einer Kirche in der zentralnigerianischen Stadt Jos. Hier wurden mehrere Menschen verletzt, wie Augenzeugen berichteten. Auch Gewehrfeuer sei zu hören gewesen. Die Behörden befürchten eine koordinierte Angriffswelle. Unbestätigten Berichten zufolge gab es weitere Angriffe im Nordosten des Landes. In Abuja hätten viele Christen frühzeitig die Weihnachtsmessen aus Angst vor weiteren Anschlägen verlassen, berichteten nigerianische Medien.

In Madalla ging gerade eine Weihnachtsmesse zu Ende, als die Bombe explodierte. Die Polizei vermutet, es könne sich möglicherweise um eine Autobombe gehandelt haben. Unter den Toten waren mindestens drei Polizisten. Zudem wurden zahlreiche Menschen verletzt. Die Rettungskräfte befürchten weitere Todesopfer, sagte ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur dpa. Viele Leichen seien durch die Explosion verstümmelt, was eine Identifikation erschwere, berichteten Augenzeugen. Auch umliegende Gebäude wurden durch die Explosion beschädigt.

Ein Mann, der seine Schwester bei dem Anschlag verlor, schilderte die Ereignisse so: «Als wir aus der Kirche kamen, ging ich noch einmal zurück, weil ich eine Weihnachtskarte vergessen hatte. Kurz darauf hörte ich einen Knall. Alles, was ich sah, war Rauch und Menschen, die schrien und herumliefen. Dann sah ich die Fetzen der Kleider meiner Schwester.» Man habe nicht genug medizinische Ausrüstung, um alle Opfer in Madalla zu versorgen, erklärte ein Behördensprecher. Es fehle vor allem an Rettungswagen.

Madalla war bisher nicht für religiös motivierte Gewalt bekannt. Nigerianische Medien berichteten, ein Sprecher der radikalislamischen Sekte Boko Haram habe die Verantwortung für den Anschlag übernommen. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Nach tagelangen Gefechten zwischen Regierungstruppen und den Kämpfern der Boko-Haram-Sekte im Nordosten des Landes ist die Lage in Nigeria ohnehin gespannt. Seit Donnerstag wurden Medienberichten zufolge mindestens 50 Sektenmitglieder getötet. Viele Bewohner sind auf der Flucht vor den Unruhen.

Im vergangenen Jahr gab es mehr als 80 Tote bei Angriffen auf christliche Weihnachtsfeiern. Bei Bombenanschlägen in Abuja an Silvester 2010 starben 30 Menschen. Nigeria ist mit etwa 150 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Im Süden leben hauptsächlich Christen, im Norden Muslime.

Der Vatikan verurteilte den Bombenanschlag auf die Kirche am ersten Weihnachtsfeiertag in schärfster Form. Das Attentat zeuge leider erneut «von der Grausamkeit eines blinden und absurden Hasses, der keinerlei Respekt vor dem menschlichen Leben hat», erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom. Den Attentätern gehe es darum, noch mehr Hass zu schüren.