Berlin (dpa) - Gegen Bundespräsident Christian Wulff sind neue Vorwürfe wegen einer Urlaubsreise aufgetaucht. Auf einem Flug von Florida nach Deutschland soll er die komfortablere Business Class genutzt, aber die billigere Economy bezahlt haben, berichtete die «Bild»-Zeitung.

Unklar war, ob und wie Wulff - seinerzeit Ministerpräsident von Niedersachsen - die Preisdifferenz mit Bonusmeilen ausgeglichen hat. Trotz anhaltender Kritik wegen der Kredit- und Medienaffäre hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Unterstützung für Wulff noch einmal bekräftigt.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag, Merkel schätze Wulff und seine Arbeit. Diese Wertschätzung gelte auch für dessen Bereitschaft, sehr weitgehend Auskünfte zu geben. «Das ist gut und wichtig (...) für das Vertrauen der Bürger in ihr Staatsoberhaupt. Und diese Bereitschaft wird sicher auch anhalten, da wo neue mögliche berechtigte Fragen auftauchen.»

Fast drei Viertel der Bürger halten den Bundespräsidenten inzwischen wegen seiner Affäre für dauerhaft beschädigt. Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer sind 72 Prozent der Befragten dieser Ansicht. 61 Prozent halten ihn nicht für glaubwürdig. Dennoch sprechen sich in der Umfrage 50 Prozent für seinen Verbleib im Amt aus, 44 Prozent sind für seinen Rücktritt.

Die «Bild»-Zeitung berichtete am Freitag über eine Urlaubsreise Wulffs in die USA im April 2007. Danach sollen der damalige niedersächsische Ministerpräsident, seine heutige Ehefrau Bettina und deren Sohn während des Rückfluges von Miami nach Frankfurt ein Upgrade von der Economy-Class in die Business-Class erhalten haben.

Ein Sprecher der Staatskanzlei in Hannover sagte dazu am Freitag, Wulff habe private und dienstliche Meilenkonten getrennt geführt. Auch Wulffs Anwalt Gernot Lehr betonte am 5. Januar gegenüber «Bild», Wulff habe für das Upgrade privat erworbene Bonusmeilen genutzt. Wegen der privaten Nutzung dienstlich erworbener Bonusmeilen waren in der Vergangenheit immer wieder Politiker in Erklärungsnot geraten. Unter ihnen waren der heutige Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir und der damalige Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi (damals PDS).

Neben Merkel erneuerte auch CDU-Generalsekretär Herrmann Gröhe am Freitag noch einmal seine Unterstützung für Wulff. Dem Sender NDR Info sagte er, es sei nicht leicht, nach den letzen Wochen erschüttertes Vertrauen zurückzugewinnen. «Ich traue es ihm zu und wünsche es ihm von Herzen. Ich glaube auch, dass es gut für unser Land wäre, und dass viele in unserem Land sagen, dass er eine zweite Chance verdient.» Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) kritisierte die Nachfolgedebatte. «Ich halte die Diskussion, die da stattfindet, in jeder Weise für abwegig», sagte er bei einem Kasernenbesuch in Boostedt bei Neumünster in Schleswig-Holstein. Auf der Klausur des CDU-Vorstandes in Kiel wird am Wochenende mit weiteren Diskussionen über das Thema Wulff gerechnet.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erwartet für Wulff auch bei einem Verbleib im Amt schwierige Jahre. «Das wird ein sehr weiter Weg werden, um sich den notwendigen Respekt zurückzuerobern», sagte er nach einer Klausursitzung der SPD-Abgeordneten in Berlin. Wulff selbst habe die Maßstäbe für das höchste Staatsamt sehr hoch gelegt. Daran müsse er sich messen lassen.

Im Streit um die Offenlegung von Medienanfragen an den Bundespräsidenten und seine Anwälte haben erste Zeitungen umfangreichen Veröffentlichungen vorgelegt. Die Springer-Blätter «Die Welt» und «Welt am Sonntag» stellten am Donnerstagabend ihren Fragenkatalog sowie die Antworten von Wulffs Anwälten und der BW-Bank, die Wulff bei seiner umstrittenen Hausfinanzierung half, in das Internet.

Auch die Zeitungen des Hauses DuMont («Berliner Zeitung», «Frankfurter Rundschau», «Kölner Stadtanzeiger» und «Mitteldeutsche Zeitung») dokumentierten am Freitag online ihren kompletten Schriftwechsel mit Wulffs Anwalt Gernot Lehr aus dem Jahr 2011. Die Antworten des Anwalts seien ein «Spiegelbild der missglückten Informationspolitik des Bundespräsidenten», sagte der Chefredakteur der «Berliner Zeitung» und der «Frankfurter Rundschau», Uwe Vorkötter. Die «Tageszeitung» (taz) dokumentierte ihrerseits ihre Anfragen an «Bild»-Chefredakteur Kai Diekmann zu Wulffs Anruf auf dessen Mailbox.

Wulff steht wegen eines Privatkredits für sein Eigenheim, kostenloser Urlaube bei Freunden aus der Wirtschaft und seines Umgangs mit den Medien seit einem Monat in der Kritik. Zuletzt konzentrierten sich die Vorwürfe darauf, dass Wulff vor gut einer Woche in seinem Fernsehinterview Transparenz angekündigt und gesagt hatte: «Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Detail zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen, auch rechtlich.»

Wulffs Anwalt Lehr hatte die Veröffentlichung aller Informationen aber abgelehnt. Eine Offenlegung der Antworten auf die Anfragen von Journalisten verletze deren Recht am eigenen Wort und am Schutz ihrer Rechercheergebnisse oder -ziele, hatte der Jurist argumentiert.

Bettina Wulff ging bei ihrem Neujahrsempfang für Partnerinnen und Partner von Diplomaten im Schloss Bellevue nicht auf die Präsidenten-Affäre ein. In ihrer Rede machte sie am Freitag aber deutlich, dass sie ihr wichtige Themen wie das Engagement für Kinder und Familien weiter vorantreiben will.

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