Rom (dpa) - Dramatisches Ende einer Mittelmeerkreuzfahrt: Bei einem schweren Schiffsunglück vor der toskanischen Küste sind in der Nacht zum Samstag mindestens drei Menschen ums Leben gekommen.

14 Personen an Bord des Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» wurden nach einer Bilanz der Behörden verletzt, als das Kreuzfahrtschiff nahe der kleinen Insel Giglio vor der italienischen Westküste auf Grund lief. Die Crew hatte zuvor einen Stromausfall gemeldet, dann kam das Schiff vom Kurs ab. Während Dutzende Menschen noch am Samstagnachmittag vermisst wurden, lag das 290 Meter lange Kreuzfahrtschiff in kompletter Schräglage vor der Insel.

Etwa 4230 Passagiere und Besatzungsmitglieder waren an Bord. Den ganzen Tag über suchten Rettungsmannschaften im Schiff und auf dem Meer noch nach Vermissten, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Passagiere sagten in mehreren Interviews, an Bord sei Panik ausgebrochen, die Rettung sei viel zu spät eingeleitet worden und chaotisch gewesen. Viele sprangen ins kalte Wasser, um die nahe Insel schwimmend zu erreichen. Rettungsmannschaften berichteten, sie hätten bis zu 150 Menschen aus dem Meer geborgen und an Land gebracht.

An Bord befanden sich nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft auch 500 deutsche Passagiere. Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin und der Veranstalter Costa Kreuzreisen teilten mit, es gebe keine Hinweise auf deutsche Opfer. Ein Krisenstab sei bei dem deutschen Generalkonsulat in Mailand eingerichtet worden. Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden erst zur Insel gebracht und dann auf das Festland nach Porto Santo Stefano. Sie wurden in Unterkünften in der Toskana und Latium betreut und sollten danach so rasch wie möglich in ihre Heimat zurückkehren.

Die meisten Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden mit Rettungsbooten in Sicherheit gebracht. Die in Genua ansässige Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere nannte den Unfall ihres Schiffes eine bestürzende Tragödie und sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. In einer Seite der «Costa Concordia» klaffte ein 70 Meter langer Riss, Fernsehbilder zeigten, dass das unmittelbar vor der Küste der Insel liegende Schiff schwere Schlagseite hat. Es habe offensichtlich einen Felsen geschrammt, sagte ein Augenzeuge.

Der Unglücksort befindet sich nur wenige hundert Meter vor dem Hafen der Insel. Am Samstag wurde noch in dem unter Wasser liegenden Teil des havarierten Kreuzfahrtschiffes nach Menschen gesucht. Auch mehrere Hubschrauber wurden eingesetzt. Passagiere aus mehr als 20 Ländern hatten die Kreuzfahrt auf der «Costa Concordia» gebucht.

Als das Schiff Schlagseite bekam, seien Passagiere in Panik geraten und über Bord gesprungen, sagte der Präfekt der Region Grosseto, Giuseppe Linardi. Die zunehmende Neigung des Schiffes habe die ordnungsgemäß erfolgte Evakuierung sehr erschwert, erklärte die Kreuzfahrtgesellschaft. Sie sagte im übrigen volle Kooperation mit den Behörden zu, um die Ursachen des Unfalls zu klären.

Eine Reihe von Passagieren klagte, die Besatzung habe für die Rettungsaktionen nicht richtig ausgebildet gewirkt. Das zuständige Hafenamt von Livorno ordnete daraufhin eine Untersuchung zur Ursache des Unglücks sowie zum Umgang der Crew mit Rettungsbooten und Schwimmwesten an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Herbeiführung eines Schiffbruchs. Die Präfektur in Grosseto teilte mit, sie lasse prüfen, wie die knapp 2400 Tonnen Treibstoff in den Tanks des Schiffes gesichert werden könnten, um Umweltverschmutzung zu vermeiden.

«Es ging ein Ruck durch das Schiff», beschrieb der Deutsche Peter Honvehlmann aus Nordrhein-Westfalen per Telefon der Nachrichtenagentur dpa die Situation, als die «Costa Concordia» gegen 22 Uhr auf Grund lief. «Innerhalb kürzester Zeit bekam es eine Schräglage, so dass die Vasen von den Tischen fielen, von den Tresen fiel alles runter, (...) so ähnlich wie im Film "Titanic", man hat es nicht geglaubt.» Der 38-Jährige wurde zusammen mit seiner Frau gleich zu Beginn der Evakuierung von Bord gebracht.

Man sei von einem technischen Defekt unterrichtet worden, sagte Honvehlmann. Die Mannschaft habe versucht, die Leute zu beruhigen. «Dann trieb das Schiff immer mehr auf die Küste zu.» Die Rettung sei chaotisch gewesen. «Das war die erste Kreuzfahrt in meinem Leben und sicherlich auch die letzte, sowas geht ja gar nicht.»

Das Schiff wurde nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft 2006 gebaut und bietet in 1500 Kabinen Platz für 3780 Passagiere, um die sich 1100 Besatzungsmitglieder kümmern. Es ist nicht der erste Zwischenfall mit der «Costa Concordia». 2008 hatte das Schiff bei der Einfahrt in den Hafen von Palermo in schwerem Sturm die Hafenbefestigung gerammt und war beschädigt worden.