Hobart (SID) -

Nach ihrem ersten Turniersieg auf der WTA-Tour riss Mona Barthel beide Arme in die Höhe und konnte ihr Glück am anderen Ende der Welt kaum fassen: Zwei Tage vor den Australian Open (16. bis 29. Januar) hatte die Qualifikantin aus Bad Segeberg mit einem Überraschungscoup im tasmanischen Hobart für einen Paukenschlag gesorgt. Im Eiltempo setzte sich die Weltranglisten-64. im Finale in 59 Minuten mit 6:1, 6:2 gegen die topgesetzte Yanina Wickmayer (Belgien) durch und krönte damit ihren Siegeszug im australischen Sommer.

"Ich bin einfach sehr glücklich über mein Spiel. Ich war in manchen Situationen sehr nervös und etwas passiv, aber ich habe gewonnen. Also habe ich die meisten Dinge richtig gemacht", sagte Barthel nach dem größten Erfolg ihrer Karriere.

Nach der verletzungsbedingten Australian-Open-Absage von Andrea Petkovic (Rückenblessur) nährte Barthel damit die Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden der gebeutelten deutschen Powerfrauen in Melbourne, nachdem zuletzt Sabine Lisicki (Bauchmuskelzerrung) und Julia Görges (Virus) angeschlagen waren.

Für ihren Premierenerfolg kassierte Barthel, die bei der Melbourne-Generalprobe in Tasmanien als Qualifikantin acht Siege in Serie feierte, eine Siegprämie in Höhe von 37.000 Dollar. Dies ist rund ein Fünftel dessen, was sie in ihren fünf Jahren auf der Tour insgesamt erspielt hatte (189.009 Dollar). Einen Tag zuvor hatte sich die 21-Jährige im deutschen Vorschlussrundenduell gegen US-Open-Halbfinalistin Angelique Kerber (Kiel) durchgesetzt. Auf dem Weg ins Finale hatte Barthel unter anderem Titelverteidigerin Jarmila Gajdosova (Australien) ausgeschaltet.

Barthel war in ihrem ersten Endspiel auf der Tour keinerlei Nervosität anzumerken. Mit präzisen Grundschlägen und großer Zielstrebigkeit führte sie im ersten Durchgang schnell mit 4:0. Nach 21 Minuten und insgesamt drei Breaks verwandelte Barthel ihren ersten Satzball souverän.

Danach konnte die Weltranglisten-29. Wickmayer, die 2009 im Halbfinale von Flushing Meadows gestanden hatte, besser mithalten. Doch selbst von einer zwischenzeitlichen 2:1-Führung der Belgierin ließ sich Barthel nicht beirren. Nach zwei weiteren Breaks erspielte sich die Deutsche durch ein Ass den ersten Matchball, den sie wiederum mit einem Aufschlagwinner direkt verwandelte.

Ein wenig ungläubig wirkte Barthel bei der Siegerehrung zwar noch, doch anschließend bewältigte sie die Pflichten eines Champions überraschend souverän. Lässig schrieb die 1,85 m große Rechtshänderin Autogramme und posierte mit ihrer Trophäe für die Fotografen.

Nach dem Coup von Hobart hat Barthel zudem ihre Chancen verbessert, erstmals für das Fed-Cup-Quartett von Teamchefin Barbara Rittner nominiert zu werden. Die deutsche Mannschaft trifft im Erstrundenmatch am 4./5. Februar in Stuttgart auf Titelverteidiger Tschechien mit Wimbledonsiegerin Petra Kvitova.

In der ersten Runde des mit 25,7 Millionen Dollar dotierten ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres trifft Barthel auf die Britin Anne Keothavong. In der dritten Runde könnte es zu einem Duell mit Sydney-Gewinnerin Viktoria Asarenka (Weißrussland) kommen.

Derweil haben sich Björn Phau (Düsseldorf) und Peter Gojowczyk (München) über die Qualifikation den Sprung ins Hauptfeld der Australian Open gesichert. Damit gehen ab Montag insgesamt 16 deutsche Tennisprofis ins erste Grand-Slam-Turnier des Jahres - elf Männer und fünf Frauen.

Unter besonderem Druck steht im Melbourne Park aber die topgesetzte Caroline Wozniacki, die immer noch auf ihren ersten Grand-Slam-Sieg wartet. Die Dänin muss mindestens das Achtelfinale erreichen, um ihre Chance auf den Verbleib an der Spitze des Rankings zu wahren. Insgesamt fünf Spielerinnen haben die Möglichkeit, nach dem Ende des Majors in Downunder den Platz an der Sonne zu erobern: Wimbledonsiegerin Petra Kvitova (Tschechien), Wiktoria Asarenka (Weißrussland), Maria Scharapowa (Russland), US-Open-Gewinnerin Samantha Stosur (Australien) und Agnieszka Radwanska (Polen).

Immerhin konnte Wozniacki am Samstag in einer anderen Sache Entwarnung geben. Die zuletzt an einer Handgelenkverletzung laborierende Wahl-Monegassin kann in Melbourne antreten. "Es wird immer besser. Am Montag werde ist 100 Prozent fit sein", sagte Wozniacki. Sie hatte sich die Blessur am linken Handgelenk am vergangenen Mittwoch bei ihrer Viertelfinalniederlage in Sydney gegen Radwanska zugezogen. Wozniacki steht seit Oktober 2010 an der Spitze der Weltrangliste und wurde zwischendurch nur eine Woche von Kim Clijsters abgelöst. Die Belgierin geht in downunder als Titelverteidigerin ins Rennen.