Leverkusen (dpa) - Dem Zittersieg folgte eine Handschlag-Debatte um Michael Ballack. Bei Bayer Leverkusen sorgte nicht nur das harterkämpfte 3:2 (2:0) gegen Mainz 05 und die erhoffte Aufholjagd nach einem Platz in der Champions League für Gesprächsstoff.

Diskutiert wurde auch die Auswechslung von Kapitän Ballack, bei der es auf dem Weg zur Bank nicht zum Handschlag mit Leverkusens Trainer Robin Dutt kam. «Wir haben den Handshake in der Kabine gehabt, alles okay», sagte Dutt und erhielt Rückendeckung von Sportdirektor Rudi Völler: «Ich hätte ihn schon zur Halbzeit ausgewechselt, weil er einfach nicht gut war», sagte er und fügte hinzu: «Die Diskussion ist eine von außen, das ist bei uns intern überhaupt kein Thema.»

In seiner wohl letzten Saison in Leverkusen musste Ballack nach einer Stunde für Angreifer Stefan Kießling vom Feld, die Zuschauer quittierten die Entscheidung des umstrittenen Dutt mit Pfiffen. Unterm Strich bot Bayer für Beifallstürme aber auch zu wenig. Zdenek Pospech (11. Minute) per Eigentor, Manuel Friedrich (35.) gegen seinen Ex-Club und Lars Bender (70.) trafen vor 24 365 Zuschauern, Eugen Polanski (50.) und Marco Caligiuri (53.) hatten zwischenzeitlich mit einem Doppelschlag für Mainz ausgeglichen. Durch den siegreichen Rückrundenauftakt hat Leverkusen als Tabellensechster weiter sieben Punkte Rückstand auf Platz vier. Mainz ist auf Platz 15 der Fußball-Bundesliga nur noch einen Zähler vom Relegationsplatz entfernt.

«Wir haben alles vermissen lassen, was uns ausmacht», bemängelte 05-Trainer Thomas Tuchel. Völler differenzierte: «Die Moral war trotzdem überragend. So eine extreme Verunsicherung darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren.» Und Matchwinner Bender erklärte: «Wenn wir hier nicht drei Punkte mitnehmen, müssen wir eher nach unten schauen.»

Etwas Licht neben einigem Schatten reichte in der ersten Halbzeit, nach dem Mainzer Zwischenspurt darf Bayer dank Bender weiter auf die lukrative Königsklasse hoffen. «Die Champions League ist wichtig für uns. Der Kader ist in seiner jetzigen Form ohne Champions League nicht zu finanzieren. Darüber muss sich jeder im Klaren sein», verdeutlichte Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser zur Halbzeit.

Beide Teams traten stark ersatzgeschwächt an. Leverkusen fehlten fünf, Mainz sogar acht verletzte Spieler, so kam Deniz Yilmaz (21) zu seinem Erstliga-Debüt - laut Mainz-Trainer Thomas Tuchel «das Modell Straßenkämpfer». Zudem feierte Adam Szalai nach einjähriger Verletzungspause wegen eines Kreuzbandrisses mit seiner Einwechslung zur 2. Halbzeit sein Comeback.

Von Beginn an erspielten sich die Gastgeber ein Übergewicht. Ballack rutschte der Ball noch über den Fuß, kurze Zeit später traf 05-Abwehrspieler Pospech nach einer Hereingabe von Danny da Costa bedrängt von Ballack ins eigene Netz. Nach Pospechs Pech prüfte Polanski Bayer-Schlussmann Bernd Leno, doch mangelhaftes Mainzer Abwehrverhalten ermöglichte Leverkusen wenig später das 2:0. Manuel Friedrich köpfte unbedrängt ein.

Yilmaz hatte kurz vor der Pause die Chance zum Anschlusstreffer. Nach dem Seitenwechsel schockte ein Doppelschlag die Gastgeber. Zuerst rettete Leno gegen Eric Maxim Choupo-Moting glänzend, Polanski staubte ab. Keine drei Minuten später nutzte der völlig frei stehende Caligiuri Bayers Abwehrschwächen.

Das 3:2 fiel wie das 2:0 nach einer Ecke per Kopf - Lars Bender ließ Dutt aufatmen. Mainz hatte Chancen zum Ausgleich, doch Leno war auf dem Posten. Gleich zweimal hatte Mainz kurz vor Schluss Pech: Michal Kadlec brachte in seinem 100. Bundesligaspiel Szalai im Strafraum zu Fall, doch der Elfmeterpfiff blieb aus. «Das war ein Foul», beschwerte sich Szalai. Choupo-Moting traf in der Nachspielzeit nur den Außenpfosten.