Kriminalität Senator verspricht Aufklärung im Fall Chantal

Hamburg (dpa) - Der Methadon-Tod der elfjährigen Chantal aus Hamburg soll lückenlos aufgeklärt werden. Das kündigte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) am Dienstagabend vor dem Familienausschuss der Bürgerschaft an.

Mit neuen Regeln für Pflegefamilien will er verhindern, dass sich ein solcher Fall wiederholt. Zuvor waren erste personelle Konsequenzen bekanntgeworden: Die umstrittene Leiterin des zuständigen Jugendamtes, Pia Wolters, muss gehen.

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Chantal war am 16. Januar an einer Vergiftung mit der Heroin- Ersatzdroge Methadon gestorben. Sie lebte im Stadtteil Wilhelmsburg bei drogenabhängigen Pflegeeltern, die in einem Methadon-Programm waren. Der Pflegevater hatte ein langes Register von Strafen für Raub, Diebstahl und Drogendelikte, das Bild.de veröffentlichte.

«Es muss alles aufgeklärt werden, es bleibt nichts im Dunkeln», sagte Scheele. «Das System hat versagt.» Der Sozialsenator stellte auch seine am Vortag veröffentlichten schärferen Regeln für Pflegeeltern vor. Dazu gehört ein Gesundheitszeugnis mit Drogentests sowie ein positives Führungszeugnis. «Ich hoffe inständig, dass sich so etwas nicht wiederholen kann», sagte er. Der familienpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christoph de Vries, sagte im Ausschuss: «Das Geschehen ist unfassbar.»

Der Chef des Bezirksamtes Mitte, Markus Schreiber (SPD), gestand bei der Sitzung ein, es habe fünf Hinweise auf Drogen in der Pflegefamilie gegeben. «Dem ist nicht genug nachgegangen worden.»

Die Leiterin des zuständigen Jugendamtes, Wolters, war von der Entscheidung, dass sie ihren Posten räumen muss, angeblich überrascht worden. Wolters sagte der Nachrichtenagentur dpa am Rande des Familienausschusses: «Offiziell weiß ich von gar nichts.» Sie habe nur über einen Kollegen erfahren, dass sie ihren Platz räumen müsse. «Das ist ein Stil, für den ich keine Worte finde.» Weiter wollte sie sich nicht äußern.

Die Staatsanwaltschaft nahm am Dienstag Ermittlungen wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht gegen das Jugendamt und den freien Träger, den Verein Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen, auf. Die Ermittlungen richteten sich aber noch gegen «bislang unbekannte Mitarbeiter», sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Schreiber sagte dazu im Ausschuss: «Man hätte selber hingehen müssen und nicht einfach dem freien Träger glauben sollen.» Man habe sich zu sehr auf die positiven Berichte des freien Trägers verlassen.

 
  • Quelle dpa
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