Riga (dpa) - Im EU-Mitgliedsland Lettland hat sich die Bevölkerung bei einem Referendum mit deutlicher Mehrheit gegen die Einführung von Russisch als zweiter Amtssprache neben Lettisch entschieden.

Nach vorläufigen Angaben der Wahlkommission sprachen sich etwa 74,79 Prozent der 1,5 Millionen Stimmberechtigten gegen das umstrittene Vorhaben einer Bürgerbewegung aus. Rund 24,89 Prozent votierten dafür, hieß es in der Hauptstadt Riga nach der Auswertung aller Wahllokale im Land. Die Beteiligung wurde in der Nacht zum Sonntag mit etwa 70 Prozent angegeben, was als außerordentlich hoher Wert gilt. Weitere Einzelheiten sollen an diesem Sonntag vorliegen.

Organisator Wladimir Linderman erkannte die Niederlage an, zeigte sich aber zufrieden mit der Wahlbeteiligung. Ziel der Initiative sei gewesen, einen Dialog zu starten - und dies sei gelungen, sagte er im Fernsehen. «Das Referendum ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang.» Die russische Minderheit werde ihren Kampf für gleiche Rechte fortsetzen. Konkrete Pläne nannte Linderman aber nicht.

Für die Verfassungsänderung wäre die Zustimmung von mindestens der Hälfte der Wahlberechtigten nötig gewesen. Nur einige Wahllokale im Ausland sind noch nicht ausgewertet. Das Referendum hatte im Vorfeld zu lebhaften Diskussionen in der ethnisch gespaltenen Ex-Sowjetrepublik Lettland geführt. Rund ein Drittel der 2,3 Millionen Einwohner in dem baltischen Land von der Größe Bayerns ist russischer Herkunft. Bei einem erfolgreichen Ausgang der Volksabstimmung hätte Russisch zur 24. Amtssprache der Europäischen Union werden können.

Wahlkommission