Hamburg (dpa) - Gewohnter Deichkind-Sound, aber auch neue Elemente, eingängige Melodien und freche Texte - das macht das neue Album der Hamburger Band Deichkind aus.

Nach rund vier Jahren Pause melden sich die vier Nordlichter mit ihrem fünften Studioalbum zurück. «Befehl von ganz unten» heißt die neue Platte. Ihre Musik hat sich weiterentwickelt, ist erwachsener geworden. «Es ist geradliniger. Es ist noch mehr auf den Punkt», sagt MC Ferris Hilton über das neue Werk.

Die ersten Songs ließen sich im Vorfeld bereits im Internet herunterladen - und die Fans waren begeistert. «Deichkind setzen musikalisch wieder einmal neue Akzente», schreibt ein Fan auf der iTunes-Seite. Auf Facebook heißt es «Ohne Deichkind wäre die deutsche Musikszene um eine große Attraktion ärmer». Der häufigste Kommentar: «Leider geil» - in Anspielung auf die gleichnamige Single. «Sie handelt von politischer Correctness, aber dann doch nicht», sagt Kryptik Joe über den Song. Die Band besingt darin Dinge, die schädlich, gemein oder unvernünftig sind - aber eben leider geil, so wie die Kneipentour am Abend vor dem neuen Job.

Eineinhalb Jahre lang haben die vier Hamburger an ihrer neuen Scheibe gebastelt. «Die letzten zwei Wochen sind ausschlaggebend, da entstehen die meisten Songs», berichtet Sänger Philipp. «Nach fünf Jahren weiß man das mittlerweile schon. Aber man hat natürlich auch Angst, dass es dieses Mal nicht passiert.» Zwölf Songs sind auf der neuen Platte, von ihrem Lieblingssong «Leider geil» über den Ohrwurm «Illegale Fans» bis hin zum sarkastischen «Bück dich hoch».

Das Schreiben erledigen sie im Team. «Es gibt Nummern, die brauchen ein Jahr lang. Da sitzt du stundenlang dran und die werden noch nicht einmal verwendet», erzählt MC Kryptik Joe. «Und dann gibt es Nummern, die entstehen um fünf vor zwölf nochmal schnell eingerappt und das sind dann die geilsten Dinger, die man raushauen kann.»

Vor allem mit der Single «Remmidemmi» ist Deichkind im Jahr 2006 bekanntgeworden, ihren ersten Hit hatte die Band aber schon 2000 mit «Bon Voyage». 2008 erschien mit «Arbeit nervt!» das bislang letzte Album der Hamburger. Die vier Jahre dauernde Pause war für die Band keine leichte Zeit. Im Februar 2009 starb ihr Produzent Sebastian «Sebi» Hackert im Alter von 32 Jahren. «Das hat uns auch erstmal wieder zurückgeworfen», sagt Kryptik Joe. «Das war schon ziemlich heftig, weil er sehr nah dran war auch an uns.»

Erst nach einem halben Jahr Pause entschieden sich die Deichkinder gemeinsam weiterzumachen, «weil wir nichts anderes können», wie Kryptik Joe zugibt. Das Ende von Deichkind hätte ihnen aber auch nicht über den Verlust hinweggeholfen, glauben sie. «Man nimmt die Trauer mit, so oder so», sagt Ferris Hilton. «Und jetzt sieht Sebi von oben oder unten, je nachdem wo er gerade ist, zu und denkt: Hier, mein Baby wächst noch weiter. Er ist automatisch ein Teil davon.»

Jetzt sind die vier Hamburger - MC Kryptik Joe, MC Ferris Hilton, MC Porky und La Perla - wieder zurück, und das voller Energie und neuer Ideen. Auf 15 Festivals wollen sie 2012 spielen, am 1. März beginnt ihre Tour. Start ist in Rostock, bis Ende März folgen insgesamt 21 weitere Konzerte in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Den Abschluss gibt es am 29. März vor heimischem Publikum in Hamburg. «Wir sind total aufgeregt, endlich mal was anderes, als immer im Studio zu sitzen», sagt Kryptik Joe.

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