Giglio/Rom (dpa) - Der Kapitän des gekenterten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» stand bei dem Unfall einer Untersuchung zufolge nicht unter Drogen. Doch am Haar Francesco Schettinos fanden sich äußerlich winzige Spuren von Kokain.

Das geht aus dem Untersuchungsbericht der katholischen Universität Rom hervor, wie italienische Medien berichteten. Die Verbraucherorganisation Codacons meinte, diese Untersuchung müsse noch einmal gründlicher wiederholt werden. Codacons vertritt von der Havarie betroffene Passagiere.

Die Experten hatten für die Ermittler Haare und Urin von Schettino analysiert. Die Kokain-Spuren am äußeren Haar des Kapitäns seien fast nicht wahrnehmbar und stammten möglicherweise von einer Berührung mit jemandem, der mit der Droge hantiert habe, hieß es. «Das ist nicht selten», erklärte der Biochemiker Pietro Pietrini dem «Corriere della Sera», Kokain finde sich manchmal auch auf Banknoten.

Unterdessen wandte sich der Krisenstabsleiter auf Giglio, Franco Gabrielli, erneut gegen einen «falschen Alarm», was die Stabilität des vor der Insel gekenterten Schiffes angeht. Unterwasseraufnahmen hatten gezeigt, dass das 290 Meter lange Kreuzfahrtschiff mit Bug und Heck auf nur zwei Felsvorsprüngen liegt. Einer der Felsen erscheine so angegriffen, dass er unter dem Gewicht des Schiffes nachgeben könnte, heißt es in einem Video der Zeitung «Il Tirreno». Das Video zeige nur, wie das Schiff auf dem Felsen letztlich Halt gefunden habe, erklärte Gabrielli. Er hatte wiederholt betont, die «Costa Concordia» sei stabil und werde nicht weiter im Meer versinken.

Bei günstigem Wetter kommt das Abpumpen des Öls aus der «Costa Concordia» weiterhin gut voran. In der vergangenen Woche hat die niederländische Bergungsfirma Smit über 1000 Kubikmeter Treibstoff aus vier Tanks in Bugnähe geholt. An Bord waren den Angaben zufolge insgesamt etwa 2380 Kubikmeter Treibstoff - überwiegend gefährliches Schweröl, das eine Umweltkatastrophe verursachen könnte. Smit hatte angekündigt, das gesamte Öl innerhalb von 28 Tagen abzupumpen.

Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Januar vor der toskanischen Insel gekentert. Gegen Schettino wird wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung ermittelt. 17 Leichen wurden bisher geborgen, 15 Menschen werden noch vermisst.

Costa Kreuzfahrten