Köln (SID) - Deutschlands Rallye-Ikone Walter Röhrl traut Sebastian Vettel in diesem Jahr den dritten Formel-1-Titel in Folge zu. "Wenn es auf den Fahrer ankommt und die Autos etwa gleich sind, bin ich überzeugt, dass der Sebastian wieder große Chancen hat", sagte Röhrl, der am Mittwoch 65 Jahre alt wird, im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Mit seinem ersten Sieg 2008 im Regen von Monza hatte Vettel Röhrls bereits verloschenes Interesse an der Formel 1 wiederbelebt, seit dem ersten persönlichen Treffen im vorigen Jahr in Melbourne ist der "Lange" ein riesengroßer Vettel-Fan. "Sebastian hat mich unheimlich fasziniert. Ich habe gedacht, der Bub weiß doch gar nicht, wer Walter Röhrl ist. Der ist Rennfahrer und interessiert sich sonst für nichts. Aber ich wurde eines Besseren belehrt", sagte Röhrl: "Er kannte alles, hat mir erzählt, dass er alle Videos von mir hat, alle dummen Sprüche von mir kennt. Das zeigt den Horizont von diesem jungen Mann, der über seinen Tellerrand hinausschaut."

Als Vettel, der unbedingt ein Foto mit seinem Idol haben wollte, nach dem Rennen seinen Sieg in der weltweiten Pressekonferenz Röhrl widmete, war dem Regensburger "die Schamesröte ins Gesicht geschossen. Er hätte mit mir reden können, und für einen normalen Menschen ist das dann vielleicht abgehakt. Aber wenn er in so einer Stunde daran denkt, dann muss etwas dahinter sein, dass er sich mit meinem Metier wirklich beschäftigt hat", sagte Röhrl: "Das war schon toll, und deshalb bin ich auch ein großer Fan von ihm geworden, weil er ein Mensch ist, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und nicht abhebt."

Für Röhrl sind Vettels zwei WM-Titel nicht nur das Resultat eines überlegenen Autos. "Das reicht nicht. Wenn man so fährt wie der Sebastian, dann ist da schon mehr dahinter", sagte der zweimalige Rallye-Weltmeister: "Er war ja nicht von Anfang an in einem Top-Auto, wie 2008, als er sein erstes Rennen in Monza im Regen gewonnen hat. Das ist eine Möglichkeit in der Formel 1, auch in einem nicht absoluten Top-Auto zu zeigen, dass man mehr Talent hat als die anderen. Das hat er damals gezeigt. Er ist schon top."