Washington (dpa) - Nach dem folgenschweren Massaker an Zivilisten in Afghanistan muss der mutmaßliche Täter in den USA die Todesstrafe fürchten. Der US-Unteroffizier soll wegen 17-fachen Mordes angeklagt werden.

Dem 38 Jahre alten Robert Bales werde vorgeworfen, in der südafghanischen Provinz 17 Menschen getötet und sechs weitere angegriffen zu haben, berichteten US-Medien am Freitag. Damit gehen die Behörden offensichtlich von einem Opfer mehr aus, als bislang bekannt war. In Afghanistan war zuletzt von 16 Toten die Rede gewesen. Dem Soldaten droht in dem Verfahren die Todesstrafe.

Der zweifache Familienvater soll vor knapp zwei Wochen nachts heimlich seinen Stützpunkt verlassen und in einem naheliegenden Dorf das Blutbad angerichtet haben. Unter den getöteten Zivilisten waren nach afghanischen Angaben vor allem Kinder und Frauen. Die Regierung in Kabul hatte ein öffentliches Verfahren gegen den US-Soldaten in Afghanistan verlangt. Er war aber in die USA gebracht worden und sitzt derzeit in einem Militärgefängnis im US-Bundesstaat Kansas.

Sein amerikanischer Anwalt John Henry Browne zog die vom Militär herangezogenen Beweise für Bales' mutmaßliche Schuld öffentlich in Zweifel. Der Verteidiger wies auch zurück, dass Alkohol und Stress im Spiel gewesen seien. Sein Mandant habe vor Jahren im Irak ein Schädeltrauma erlitten und sei gegen seinen Willen nach Afghanistan geschickt worden. Experten meinen, ein Prozess könne sich über Jahre hinziehen.

Das Massaker hatte in Afghanistan Wut und harte Kritik an den internationalen Truppen ausgelöst. Auch die Forderung nach einem schnelleren Abzug wurde laut. US-Regierungsmitglieder und zuletzt auch das US-Militär wiesen das zurück. Auch 2013 müsse eine bedeutende Zahl an Kampftruppen in dem Land stationiert bleiben, sagte der US-Kommandeur der internationalen Truppen am Hindukusch, General John Allen, am Donnerstag (Ortszeit) vor einem Ausschuss des Senates in Washington.

Die genaue Zahl der benötigten Soldaten sei noch zu ermitteln, sagte er weiter, aber die bisherigen Planungen seien weiterhin eine gute Grundlage für die Mission. Bis September dieses Jahres sollen noch 23 000 US-Soldaten aus Afghanistan abziehen, um die 2010 festgelegte Reduzierung um insgesamt 33 000 zu erreichen. Damit blieben 68 000 amerikanische Militärangehörige mit 40 000 aus den anderen beteiligten Nationen in dem Land, sagte Allen. Derzeitige Pläne sehen einen vollständigen Rückzug der Amerikaner bis Ende 2014 vor.