Peking/Dresden (dpa) - Mehr als 450 000 Besucher haben die deutsche Ausstellung «Kunst der Aufklärung» in Peking besucht. Nach einem Jahr geht die in Deutschland sehr kontrovers diskutierte Präsentation mit mehr als 600 Exponaten am 31. März zu Ende.

Zum Abschluss zogen die Organisatoren von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und den Staatlichen Museen Berlin am Freitag ein positives Fazit. «Ich bin zufrieden», sagte der kommissarische Chef in Dresden, Dirk Syndram, in Peking. Die Ausstellung «hat das Potenzial», auch langfristig zu wirken.

Die Schau im Nationalmuseum am Tian'anmen-Platz, dem Ort der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989, stieß auch auf Vorbehalte. Besonders die Festnahme des berühmten Künstlers Ai Weiwei kurz nach der Eröffnung löste in Deutschland eine Debatte über den Kulturaustausch mit Diktaturen aus. Die Zahl der Besucher lag wohl auch unter den Erwartungen. «Ich hätte mir gut vorstellen können, dass noch ein paar mehr kommen, aber es ist nach den Erfahrungen mit anderen Ausstellung nicht so, dass es sehr wenig sind», sagte Syndram. Auch sei die Verweildauer länger als erwartet gewesen.

Den Eindruck, dass die zehn Millionen Euro teure Ausstellung auch einen politischen Anspruch gehabt habe, wiesen die Organisatoren zurück. «Wir haben keine Missionars-Ausstellung gemacht. Es ist eine kunst- und kulturgeschichtliche Ausstellung gewesen», sagte Syndram. «Dass sie durch den Ort im Nationalmuseum und am Tian'anmen-Platz einen politischen Bezug hat, will ich nicht verneinen, ist aber nicht so gedacht gewesen.» Ein Festakt soll die Exposition an diesem Sonntag abrunden. Deutschland entsendet dazu die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper.

Die Eröffnung vor einem Jahr durch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) war schon von schweren Misstönen überschattet. Die chinesische Seite hatte einem Kurator, dem Schriftsteller und China-Kenner Tilman Spengler in seiner Delegation, die Einreise verweigert. Kaum war Westerwelle abgereist, wurde Ai Weiwei in Polizeihaft genommen. Dass der Museumsbau gerade erst fertiggestellt worden war, erwies sich anfangs als Nachteil. Mangelhafte Werbung in Peking hielt den von deutscher Seite erhofften Besucheransturm zunächst auch in Grenzen. So lief das Projekt nur schleppend an.

Nach dem Ende der Ausstellung soll der begleitende Dialog aber fortgesetzt werden. Der Geschäftsführer der Stiftung Mercator, Bernhard Lorentz, sagte in Peking, an die parallel gelaufene Veranstaltungsreihe «Aufklärung im Dialog» werde mit einer neuen Serie von Diskussionen über andere Themen angeknüpft. Sie sollen zu einer «festen Institution in Peking» werden. Er zog eine positive Bilanz des Programms «Aufklärung im Dialog», das ein Jahr lang die Ausstellung begleitet hatte. «Es war ein notwendiger und aus unserer Sicht von heute auch ein erfolgreicher Dialog.» Die fünf Foren und neun informellen «Salons» haben mehr als 3000 Teilnehmer gesehen.

«Die Kunst der Aufklärung» wollte die Ideen der Aufklärung sichtbar machen - ihren Einfluss auf die Bildenden Künste, aber auch ihre Wirkung auf die künstlerischen Revolutionen vom 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Auf 2700 Quadratmetern stellte sie zahlreiche Meisterwerke vor. Malerei, Skulptur, Grafik, aber auch Kunsthandwerk, Mode und kostbare wissenschaftliche Instrumente dokumentierten die Sehnsucht der Menschen nach einem Aufbruch. Die Schau habe gezeigt, wie sich zentrale Ideen der europäischen Aufklärung auf die Kunst auswirkten, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer. Nach Ansicht von Klaus Schrenk, Chef der Münchener Sammlungen, hat die Schau «den Horizont für die Vermittlung von Kultur erheblich geweitet».

Kunst der Aufklärung