Nizza (dpa) - Experiment gewagt und den vierten WM-Titel fest im Visier: Die Chemnitzer Paarläufer Aljona Savchenko und Robin Szolkowy haben den riskanten dreifachen Wurf-Axel erstmals in einem Wettkampf gestanden und führen die Konkurrenz in Nizza an.

Nur knapp hinter den Sachsen mit 68,63 Punkten liegen die zweimaligen Weltmeister Pang Qing/Tong Jian (China/67,10) und die Japaner Narumi Takahashi/Mervin Tran (65,37). «Ich freue mich, dass der Axel ging, aber ich bin doch verwundert, dass wir nur einen Punkt vor den Chinesen liegen», sagte Trainer Ingo Steuer.

Nach einem wunderschönen Kurzprogramm im Palais des Expositions zur Musik «Engel und Dämonen» von Hans Zimmer aus dem Film Illuminati zeigten sich Savchenko/Szolkowy erleichtert. «Um gegen die gute Konkurrenz in den nächsten Jahren zu bestehen, müssen wir uns etwas einfallen lassen und uns weiterentwickeln», begründete Steuer das Risiko mit dem Wurf-Axel, den kein anderes Paar auf der Welt beherrscht. Er war allerdings nicht ganz sauber, die 28-Jährige landete ihn auf zwei Füßen. Zudem war die Landung ihres Partners beim Toeloop nicht astrein. «Ich bin schon enttäuscht, dass der Toeloop nicht sauber war», sagte der 32-Jährige.

Auf dem Weg zu den Winterspielen in zwei Jahren in Sotschi sind zur Erprobung neuer Elemente auch Niederlagen einkalkuliert. Seit mehr als einem Jahr feilen die Sachsen am Wurf-Axel und werden dabei auch wissenschaftlich begleitet. «Von der Theorie stimmt es, wir sind auch schon um Längen weiter als am Anfang», erklärte Szolkowy. Bis Olympia soll das gewagte Element perfekt klappen.

«Wir wissen, dass die Konkurrenz nicht schläft», sagte der gut gelaunte Steuer, «wir sind nicht so gut drauf wie im Vorjahr, aber die beiden können kämpfen». Die Vorbereitung auf die WM zog sich für Savchenko/Szolkowy enorm in die Länge, weil sie nach der großen Belastung im Grand Prix auf die deutschen Meisterschaften im Januar verzichteten, dann wegen einer Oberschenkelverletzung der 28-Jährigen die EM auslassen mussten. Die Europameister Tatjana Wolososchar/Maxim Trankow aus Russland sind nach einem Sturz bei der Todesspirale überraschend nur Achte. Sie galten eigentlich als die schärfsten Konkurrenten der Deutschen.

Die deutschen Meister Maylin Hausch/Daniel Wende (48,48/Oberstdorf) sind nach einem Sturz beim dreifachen Wurf-Salchow nur 15. «Da sind auf einmal fünf Punkte weg», sagte Coach Karel Fajfr, «und dabei wollten wir an die Top Ten heran». Die Vorjahreszwölften hatten sich viel vorgenommen, aber wie schon bei der EM in Sheffield blieben sie nicht fehlerlos. «Der Sturz hat nicht so wehgetan, aber er ist ärgerlich», sagte die 23-Jährige.

Die Düsseldorfer Mari-Doris Vartmann und Aaron van Cleave erreichten gerade so eben auf Platz 16 das Finale. Zu Händel-Klängen liefen sie anmutig, einzig beim dreifachen Toeloop fehlte der 23 Jahre alten Halbjapanerin eine Umdrehung. Mit 47,91 Punkten rutschten die EM-Fünften noch in die Kürkonkurrenz. «Das Gesamtprogramm war okay, einziges Manko, dass Mari nur doppelt sprang», sagte Trainer Knut Schubert, «aber es ist ihre erste gemeinsame WM, das wird die Nervosität gewesen sein».