Madrid (dpa) - Ein Generalstreik hat die spanische Wirtschaft nur in einzelnen Bereichen lahmgelegt. In mehreren Branchen wurde trotz eines Aufrufs der Gewerkschaften zu einer 24-stündigen Arbeitsniederlegung fast normal gearbeitet.

Während in Autowerken und zahlreichen Industriebetrieben die Produktion am Donnerstag teilweise zum Stillstand kam, waren die meisten Gaststätten, Geschäfte und Banken wie an einem normalen Werktag geöffnet. Spanien-Urlauber wurden von dem Ausstand nur wenig betroffen.

Nach Angaben der Madrider Regierung war die Streikbeteiligung «deutlich geringer» als beim vorigen Generalstreik im September 2010. Dagegen bezeichneten die großen Gewerkschaftsverbände CCOO (Arbeiterkommissionen) und UGT (Allgemeine Arbeiter-Union) den Ausstand als einen Erfolg und bezifferten die Streik-Beteiligung auf 85 Prozent der Beschäftigten.

Sie wollten mit dem landesweiten Generalstreik gegen eine Arbeitsmarktreform der Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy protestieren. Die Reform hat den Unternehmen die Entlassung von Mitarbeitern erleichtert und die Abfindungssummen gesenkt.

Die konservative Regierung kündigte an, sie werde trotz des Generalstreiks keinerlei Änderungen an der Neuregelung vornehmen und auch von ihrer Sparpolitik «keinen Deut» abweichen. An diesem Freitag will das Kabinett den Budgetentwurf für 2012 verabschieden, der Einsparungen in Rekordhöhe vorsehen wird. Die Euro-Partner blickten gespannt auf die Entwicklung in Spanien, nachdem das Land sein Defizitziel 2011 klar verfehlt hatte und in der Schuldenkrise wieder zu einem Sorgenkind geworden war.

Auf den spanischen Flughäfen herrschte weitgehend normaler Betrieb. Von den 3400 vorgesehenen Flügen war etwa die Hälfte dadurch geschützt, dass sie unter die - mit den Gewerkschaften vereinbarten - Mindestversorgung fielen. Nach Angaben der Flughafenbehörde AENA wurden bis zum Mittag gut 400 Flüge gestrichen. Die Online-Zeitung «mallorcamagazin.com» berichtete, auf Mallorca konnten bis zum Mittag die Urlauberjets weitgehend problemlos starten und landen.

Der Reiseveranstalter Thomas Cook spürte nach eigenen Angaben keine Auswirkungen des Generalstreiks. Es gebe nur geringfügige Verspätungen, sagte ein Unternehmenssprecher. Auch die Transfers zu den Unterkünften könnten normal abgewickelt werden. Allerdings sei der Touristenstrom vor den Osterferien auch noch nicht so groß. Auch bei Tui hieß es, für Urlauber habe der Ausstand kaum Auswirkungen, weil die Fluglotsen nicht mitstreikten.

Bei der Eisenbahn, bei U-Bahnen und Buslinien wurden ebenso wie im Flugverkehr Mindestdienste aufrechterhalten. In Madrid waren das Prado-Museum und die anderen großen Pinakotheken für Besucher geöffnet. Die Zeitungen erschienen mit reduzierten Ausgaben und wurden stellenweise verspätet oder gar nicht ausgeliefert.

In den ersten Stunden des Generalstreiks ereignete sich eine Reihe von Zwischenfällen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Streikposten wurden nach Angaben des Innenministeriums neun Menschen verletzt, darunter sechs Beamte. Die Polizei registrierte am Morgen landesweit 58 Festnahmen. In Barcelona errichteten Streikende Barrikaden auf mehreren Zufahrtsstraßen und setzten Autoreifen in Brand.

In Spanien hatten seit dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) bislang fünf ganztägige Generalstreiks stattgefunden. Nur beim Streik 1988 gelang es den Gewerkschaften, die Wirtschaft fast komplett zum Stillstand zu bringen. Bei den Ausständen 1985, 1994, 2002 und 2010 dagegen wurden die Streikaufrufe der Gewerkschaften nur in einzelnen Branchen befolgt.

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