Hamburg (dpa) - Das Projekt einer europäischen Ratingagentur steht einem Zeitungsbericht zufolge vor dem Aus.

Das Beratungsunternehmen Roland Berger gehe nicht mehr davon aus, 300 Millionen Euro Startkapital für den Aufbau eines Konkurrenten zu den US-Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch einsammeln zu können.

Dies berichtet die «Financial Times Deutschland» (FTD/Montag), ohne konkrete Quellen zu nennen. Die Berater hätten vor allem auf die Unterstützung deutscher und französischer Großbanken gehofft, seien jedoch auf zu wenig Interesse gestoßen. Roland Berger war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Ursprünglich sollten die Gründungsverträge für die Ratingagentur bis Ende März unterzeichnet sein.

Das von Roland Berger in Eigenregie vorangetriebene Modell war als Stiftung konzipiert, die nicht gewinnorientiert arbeitet. Die Investoren sollten aus der Finanzindustrie kommen, staatliche Beteiligungen waren nicht vorgesehen.

Die europäische Ratingagentur sollte eine Konsequenz aus der Kritik an den großen US-Wettbewerbern sein, denen vorgeworfen wird, die Finanzkrise 2008 mitverursacht zu haben. Außerdem wurde ihnen ein zu großer Einfluss auf die Märkte während der Eurokrise vorgehalten. Das Berger-Modell sollte mehr Transparenz gewährleisten und auch anders finanziert werden. Die EU-Kommission will die Ratingagenturen stärker regulieren.

Komplett beerdigen wolle Berger das Projekt aber nicht, schreibt die Zeitung. Eine kleine Gruppe Frankfurter Finanziers solle nun soviel Geld bereitstellen, dass die Grundidee weiterverfolgt werden kann.