Damaskus/Istanbul (dpa) - Mit den Beobachtern der Arabischen Liga, die im vergangenen Winter in Syrien waren, hat das Regime von Präsident Baschar al-Assad Katz und Maus gespielt.

Jetzt sind die ersten Militärbeobachter der Vereinten Nationen in Syrien eingetroffen. Sie müssen aufpassen, dass ihnen nicht das Gleiche widerfährt.

Schon am Tag ihrer Ankunft versuchte Assad, die unbewaffneten ausländischen Militärs einzuschüchtern und ihre Bewegungsfreiheit zu beschneiden. «Die syrische Regierung ist für die Sicherheit der Beobachter verantwortlich, und dies setzt voraus, dass sie ihre Operationen mit uns abstimmen», erklärte Assads Beraterin Buthaina Schaaban vor Journalisten in Damaskus. Außerdem behalte sich die syrische Führung ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Nationalitäten der Beobachter vor.

Zur gleichen Zeit ließ die syrische Militärführung verlauten, sie betrachte es weiterhin als ihre Pflicht, die Bürger vor den Machenschaften «bewaffneter terroristischer Banden» zu schützen. Das bedeutet im Sprachgebrauch des Regimes, dass die Armee und der Sicherheitsapparat weiterhin die Brigaden der Deserteure angreifen wollen - und zwar nicht nur im Falle einer Attacke, sondern auch präventiv.

Die Regimegegner sind ohnehin der Meinung, dass die UN-Militärbeobachter nicht viel ausrichten können, um die Umsetzung des Friedensplans von Kofi Annan zu garantieren. «Was sind schon 250 Beobachter in so einem großen Land? Syrien ist schließlich nicht das Kosovo», erklärt ein Aktivist aus Idlib, der sich zurzeit in der türkischen Grenzprovinz Hatay aufhält. «Diese Zahl von Beobachtern reicht nicht einmal aus, um sich wirklich ein Bild von der Lage in der Provinz Homs zu machen.»

Zwar sterben seit dem Beginn der brüchigen Waffenruhe am vergangenen Donnerstag nicht mehr so viele Menschen wie zuvor. Doch die Massenfestnahmen und das Töten durch die Truppen des Regimes gehen weiter. Am Sonntag sollen nach Angaben von Aktivisten 32 Menschen durch die Gewalt der Staatsmacht und ihrer Milizen gestorben sein. «Sind 30 Tote etwa nichts? Ist ein Menschenleben so billig?», empört sich Bassam Dschaara, ein Mitglied des oppositionellen Syrischen Nationalrates (SNC), am Montag in einem Interview mit dem Nachrichtensender Al-Arabija.

Die Opposition ist der Meinung, dass Assad wieder einmal versucht, auf Zeit zu spielen. Doch ist die Zeit wirklich auf seiner Seite oder zerbröselt sein Regime allmählich - so lange bis eines Tages nur noch die Profiteure, der Clan und die Spitzen des Sicherheitsapparats übrigbleiben? Am Wochenende hat sich ein Parlamentarier vom Regime abgewandt, er protestierte gegen die Tötung wehrloser Zivilisten und die Vergewaltigung von Frauen. Abdel Rasak Al-Jussif verkündete in einem Video, das im Internet veröffentlicht wurde, seinen Rücktritt als Abgeordneter.

Video des zurückgetretenen Parlamentariers in arabischer Sprache