Straßburg (dpa) - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat Russland wegen «menschenunwürdiger Behandlung» von Angehörigen des Massakers von Katyn 1940 verurteilt.

Der EGMR rügte Russland auch wegen unzureichender Zusammenarbeit mit dem Gerichtshof, weil die russischen Behörden eine Übersendung von Akten über das Massaker unter Sowjetdiktator Josef Stalin abgelehnt hatten.

Die russische Justiz habe die Anträge der Angehörigen auf Information über die Todesumstände und auf Rehabilitierung ihrer Familienmitglieder schroff abgewiesen.

Konkret ging es um zwölf Opfer des Massakers, darunter Offiziere der Armee und der Polizei, einen Armee-Arzt und einen Schuldirektor. Sie waren nach dem Einmarsch russischer Truppen in Polen gemeinsam mit etwa 22 000 Polen im April und Mai 1940 von der sowjetischen Geheimpolizei erschossen und im Wald von Katyn bei Smolensk in Massengräbern verscharrt worden.

Das Verbrechen hat die polnisch-russischen Beziehungen jahrzehntelang belastet, auch wenn die russische Staatsduma den Mord 2010 verurteilt hat. Das EGMR-Urteil ist nicht endgültig, dagegen kann Berufung beantragt werden.

Ankündigung Gerichtshof(englisch)