Kiew (dpa) - Sechs Wochen vor Beginn der Fußball-EM hat eine Anschlagsserie in der Ukraine die Geburtsstadt der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko erschüttert.

Innerhalb weniger Minuten detonierten nach Angaben der Polizei vier Sprengkörper an belebten Plätzen der Industriestadt Dnjepropetrowsk, die rund 400 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew liegt. Bei der Bombenserie am Freitag wurden mindestens 27 Menschen verletzt, darunter 9 Kinder. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem «Terroranschlag».

Die Ex-Sowjetrepublik ist vom 8. Juni an Co-Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft. Das international umstrittene Urteil gegen Timschenko überschattet das Fußballturnier, das das zweitgrößte Land Europas gemeinsam mit Polen veranstaltet.

Als erstes explodierte an einer Straßenbahnhaltestelle ein Sprengkörper, der in einem Abfalleimer versteckt war. Kurz darauf ereigneten sich nach Angaben der Ermittler mindestens drei weitere Explosionen, unter anderem am Bahnhof und nahe der Oper der 1,1 Millionen Einwohner zählenden Stadt . Augenzeugen berichteten im Internet von Panik und tumultartigen Szenen.

Fotos zeigten Blutspritzer auf dem Boden und geborstene Scheiben. Notarztwagen rasten mit heulenden Sirenen durch die Stadt. Die Polizei sperrte das Zentrum ab. Das Mobilfunknetz der viertgrößten Stadt der Ukraine brach zeitweise zusammen. Nach Angaben von Experten waren die Sprengkörper selbst gebaut.

Die Bombenserie sei ein «Anschlag auf das ganze Land», sagte Präsident Viktor Janukowitsch. Er beauftragte den Geheimdienst SBU und das Innenministerium mit der sofortigen Untersuchung der Explosionen. «Wir werden die richtige Antwort geben», betonte der Staatschef. Innenminister Vitali Sachartschenko machte sich von Kiew auf den Weg nach Dnjepropetrowsk, das kein Austragungsort der Fußball-EM ist. Der Hintergrund der Anschlagsserie war zunächst unklar.