München (dpa) - BMW hat das beste Auftaktquartal der Firmengeschichte hinter sich. Die Münchner nahmen damit die erste Hürde auf dem Weg zu einem weiteren Bestjahr. Trotz der wegen der Schuldenkrise schwachen Automärkte vor allem in Südeuropa stehen die Zeichen auch in den nächsten Monaten auf Wachstum.

Wie die Rivalen Audi und Daimler profitiert BMW von der ungebrochenen Lust auf teure Autos in China oder den USA. Doch im Dreikampf um die Spitze der Oberklasse sind die Münchner derzeit das Maß der Dinge.

Unter dem Strich verdiente BMW zwischen Januar und März fast 1,35 Milliarden Euro, gut 18 Prozent mehr als vor einem Jahr - und übertraf damit auch die Erwartungen vieler Fachleute, die wegen der Kosten für neue Modelle wie den 3er oder den Ausbau der Produktion mit schlechteren Zahlen gerechnet hatten. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um fast 19 Prozent 2,1 Milliarden Euro. Für das gesamte Jahr bleibt Konzernchef Norbert Reithofer «vorsichtig optimistisch». Besser als das Rekordjahr 2011 soll 2012 aber werden.

«Dies setzt voraus, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weitgehend stabil bleiben», sagte Reithofer. Niemand könne vorher sagen, wie sich die Finanzsysteme entwickelten und welche Folgen das für den Konsum haben wird. Gerade in Europa spüren auch die verwöhnten deutschen Oberklassehersteller die Turbulenzen. So hat sich seit Beginn der Finanzkrise in Spanien oder Italien der Markt halbiert. Doch die Boomregionen in Übersee gleichen das mehr als aus.

Die Warnstreiks in der deutschen Metallindustrie treiben BMW dabei noch nicht um. «Wir sind nicht beunruhigt durch die Warnstreiks. Sie sind Teil des normalen Tarifgeschehens», sagte Reithofer. Nur kurz zuvor hatten mehr als 4000 Metaller vor der Konzernzentrale lautstark für mehr Geld protestiert. An allen bayerischen BMW-Standorten gab es am Donnerstag Warnstreikaktionen. Ob er angesichts der eigenen Zahlen die Forderungen der IG Metall nach 6,5 Prozent mehr Geld für zu hoch oder gerechtfertigt hält, wollte Reithofer aber nicht sagen.

Auch zum Thema Leiharbeit wollte Reithofer nur wenig sagen. Die IG Metall wirft dem Konzern vor, mit rund 11 000 Leiharbeitern eine der höchsten Quoten in Deutschland zu haben. Derzeit verhandelt der Konzern mit dem Betriebsrat über Möglichkeiten, die Arbeit flexibel halten zu können. «Wir arbeiten an einer gemeinsamen Lösung», sagte Reithofer. Denn dank der Flexibilität in der Produktion sei BMW gut durch die jüngste Krise und an die Spitze gekommen.

Und das soll so bleiben. Auch 2020 soll BMW Branchenprimus sein, bekräftigte Reithofer. Dahinter sollen ruhig Audi und Daimler um die Plätze streiten. «Beim der Reihenfolge im Wettbewerb ist ab dem nächsten Jahr mit einer neuen Rangfolge zu rechnen», schreibt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer in einer Studie. Er rechnet damit, dass es Mercedes-Benz bereits 2013 wieder an Audi vorbei schafft. Doch die VW-Tochter will selber an die Spitze.

Dabei liegen die drei Rivalen eng beisammen - und in den Führungsetagen weiß man, dass der publikumswirksame Kampf um die Kennzahlen nur begrenzt Sinn macht - die Konzerne sind nämlich ganz unterschiedlich aufgestellt. So hat Daimler eine Lastwagensparte, Audi ist als Tochter Volkswagen in einer anderen Lage als BMW.

Bleibe die Schuldenkrise in Europa beherrschbar, werde sich daran auch erstmal nichts ändern. «Die deutschen Premiumhersteller werden daher auch in den nächsten Jahren, mindestens bis 2015, mit hohem Wachstum und außerordentlichen Gewinnen auftrumpfen», sagte Dudenhöffer. «Allerdings wird auch dort der Abstand enger.» Und obwohl das Geld vor allem in Übersee verdient wird, entscheiden am Ende wohl die deutschen Autokäufer über den Platz entscheiden. «Die Chinesen kaufen das, was in Deutschland stärker en vogue ist.»

Nach dem ersten Viertel liegt BMW unangefochten an der Spitze und zwar bei allen Werten. Auch bei der Profitabilität verwies BMW Audi und Daimler erneut auf die Plätze: Die sogenannte Ebit-Marge, die das Verhältnis von Umsatz zum operativen Ergebnis ausdrückt, lag im Startquartal bei 11,6 Prozent. Audi hatte am Mittwoch Bestwerte gemeldet, operativ verdiente die VW-Tochter 1,4 Milliarden Euro und schaffte damit eine Ebit-Marge von 11,4 Prozent. Daimler hatte zwar ebenfalls einen Absatzrekord verbucht der Gewinn vor Zinsen uns Steuern (Ebit) ging aber leicht auf 1,252 Milliarden Euro zurück. Die Umsatzrendite sank bei Daimler deswegen von 9,3 auf 8,4 Prozent.

An der Börse kamen die BMW-Zahlen bestens an: Die Aktien des Autobauers gehörten zu den Gewinnern im Leitindex Dax.

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