New York (dpa) - Eine Rekordsumme für Edvard Munchs «Schrei»: Für fast 120 Millionen Dollar (90 Millionen Euro) hat ein anonymer Käufer das weltberühmte Bild bei Sotheby's in New York nach einem dramatischen Bietergefecht ersteigert. Nie zuvor wurde bei einer Auktion mehr für ein Gemälde gezahlt.

Damit überbot «Der Schrei», eines der bekanntesten Bilder der Kunstwelt, den bisherigen Rekordhalter um mehr als 13 Millionen Dollar. Vor zwei Jahren war bei Pablo Picassos «Akt mit grünen Blättern und Büste» für 95 Millionen Dollar zugeschlagen worden, mit dem Aufgeld waren es 106,5 Millionen Dollar.

«Der Schrei» ist damit allerdings nicht das teuerste Gemälde der Welt. Als dieses gilt Paul Cézannes «Die Kartenspieler», für das im vergangenen Jahr bei einer privaten Transaktion 250 Millionen Dollar geflossen sein sollen. Dafür gibt es aber keine Bestätigung. Jackson Pollocks «No.5» von 1948 brachte vor sechs Jahren bei einem privaten Verkauf 140 Millionen Dollar. Auch für Werke von Willem de Kooning und Gustav Klimt soll mehr gezahlt worden sein als für den «Schrei».

Bei Munchs Gemälde lag der Hammerpreis am Mittwochabend bei 107 Millionen Dollar. Damit ist «Der Schrei», 1895 entstanden, das erste Bild der Kunstgeschichte, bei dem das letzte Gebot bei mehr als 100 Millionen Dollar lag. Mit dem üblichen Aufgeld von zwölf Prozent ergibt sich ein Kaufpreis von genau 119 922 500 Dollar.

Über den Käufer war zunächst nichts bekannt. Er hatte per Telefon mitgeboten. Mit einem Konkurrenten, ebenfalls per Telefon, hatte er sich in dem zum Bersten gefüllten Saal ein Bieterduell geliefert. Zunächst schien bei 80 Millionen Dollar Schluss zu sein - genau die Höchstgrenze der Sotheby's-Schätzung. Doch dann ging das Duell weiter, durchbrach bei 96 Millionen den alten Rekord und endete schließlich bei kaum glaublichen 107 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Oft wird diese Summe nicht einmal für eine ganze Auktion zusammen erzielt, neben dem «Schrei» gab es aber noch 75 andere Gemälde. Darunter war ein Picasso, der für 26 Millionen wegging.

Verkauft hat den «Schrei» der norwegische Kaufmann Petter Olsen. Sein Vater war einst Nachbar von Munch und hatte das Bild vor mehr als 70 Jahren gekauft. Olsen will mit dem Erlös ein Munch-Museum bauen und im nächsten Jahr zum 150. Geburtstag des Malers eröffnen. Nachfahren des jüdischen Kunstsammlers Hugo Simon hatten die Versteigerung zuvor kritisiert. Simon sei in der Nazi-Zeit aus Deutschland geflohen und habe das Bild im Exil aus Not verkauft.

Von Munchs «Schrei» gibt es gleich vier Versionen. Drei davon hängen in norwegischen Museen und sind damit praktisch unverkäuflich. Das jetzt verkaufte Bild von 1895 ist für viele das beeindruckendste, weil die schreiende Figur mit den meisten Konturen gezeichnet ist und zudem der Gegensatz zwischen dem Entsetzen des Schreienden und der Idylle der Umgebung am deutlichsten ist. Es ist zudem die einzige Version, auf deren Rahmen Munch (1863-1944) in einem Gedicht seine Inspiration zu dem Gemälde festgehalten hat. Nach mehreren Umfragen ist «Der Schrei» das zweitbekannteste Gemälde der Kunstgeschichte nach der «Mona Lisa» von Leonardo da Vinci.

Mit dem Auktionsrekord von 120 Millionen Dollar ist nach Ansicht des deutschen Auktionshauschefs Robert Ketterer längst nicht die Obergrenze bei Kunstversteigerungen erreicht. «Geld ist in Hülle und Fülle da», sagte Ketterer am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. «Es gibt Kunden, die wissen gar nicht, wohin mit ihrem Geld.» Kunstwerke seien für sie «das Statussymbol überhaupt», denn sie seien nicht reproduzierbar. «Das nächste Hauptwerk kann noch mehr bringen», sagte Ketterer.

Sotheby's zur Auktion

Munch-Museum in Oslo

Galerie Munch auf Deutsch