Frankfurt/Main (dpa) - Nach weiteren bitteren Verlusten im ersten Quartal macht die Lufthansa Ernst mit ihrem Sparprogramm: Von weltweit 16 800 Jobs in den Verwaltungen der verschiedenen Konzerngesellschaften sollten 3500 Vollzeitstellen wegfallen, erklärte Lufthansa-Chef Franz in Frankfurt.

Der Großteil von rund 2500 Stellen soll dabei auf Deutschland entfallen, wobei Franz erneut betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschloss. «Wir kommen nicht drum herum, unsere Strukturen anzupassen», sagte der Vorstandschef.

Die von Lufthansa übernommenen Gesellschaften wie Swiss oder Austrian Airlines haben eigene Strukturen in den Konzern mitgebracht, die nach Einschätzung des Vorstands zu Doppelungen geführt haben. Hier seien größere Einsparungen mit Stellenstreichungen zu erreichen, ergänzte der scheidende Finanzvorstand Stephan Gemkow. Konkret sollen Buchhaltung, Personalführung und Einkauf zusammengefasst werden. Anders sehe es im operativen Geschäft aus. Dort werde vor allem der Umstieg auf größere, effizientere Jets helfen, Personalkosten einzusparen, ohne das Angebot zu verringern.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die hohen Sparvorgaben des Vorstands beim Personal. «Das sind absolut unrealistische Planungen, dass dort ein Drittel der Gesamtsumme von 1,5 Milliarden eingespart werden kann», sagte Christine Behle vom Bundesvorstand der Gewerkschaft. Derzeit betrügen die Personalkosten im Konzern weniger als 25 Prozent. Zusammen mit den anderen Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) werde man eine gemeinsame Strategie verabreden und vom Vorstand eine schlüssige Gesamtstrategie einfordern. Inakzeptabel seien betriebsbedingte Kündigungen und Absenkungen bei den Tarifverträgen. Sinnvollen Optimierungen werde man sich aber nicht verschließen.

Vor allem die hohen Treibstoffpreise haben Lufthansa das traditionell schwache erste Quartal vermiest. Zwar stieg der Umsatz trotz des Frankfurter Vorfeldstreiks überraschend stark um fast sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Doch die um 23 Prozent gestiegene Treibstoffrechnung fraß alles wieder auf. Konzernchef Franz beklagte zudem die steigende Steuer- und Abgabenlast, verursacht unter anderem durch die neue Luftverkehrssteuer und den Emissionshandelszwang auf europäischer Ebene. In der Folge stieg der operative Quartalsverlust gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte auf 381 Millionen Euro. Darin nicht mehr enthalten ist der langjährige Verlustbringer British Midland, der an die British Airways-Mutter IAG verkauft wurde.

Noch keine Angaben machte Lufthansa dazu, wie teuer das anlaufende Sparprogramm «Score» für den Konzern zunächst werden könnte. In der Prognose eines operativen Gewinns im mittleren dreistelligen Millionenbereich sind die Kosten dafür noch nicht eingerechnet. Die Belastungen etwa durch Abfindungen sollten im Gesamtjahr 2012 aber nicht zu einem operativen Verlust führen, sagte Gemkow.

Quartalsbericht