Dortmund (dpa) - Die Zeitungsverleger haben als Bedingung für weitere Verhandlungen über Online-Angebote wie die «Tagesschau»-App Verlässlichkeit von ARD und ZDF verlangt.

Christian Nienhaus, der Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Verlegerverbands ZVNRW, kritisierte am Donnerstag in Dortmund, die öffentlich-rechtlichen Sender hätten bei den Gesprächen in den vergangenen Wochen mehrfach bereits erzielte Einigungen wieder infrage gestellt. «So kann man nicht verhandeln, und so werden wir auch nicht weiter verhandeln», sagte Nienhaus bei der Jahreshauptversammlung des ZVNRW.

Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe, hatte vor knapp einem Jahr die Klage von acht Verlagen gegen die kostenlose «Tagesschau»-App verkündet. Die Verleger betrachten diese Anwendung für Smartphones und Tablet-Computer als unfaire Konkurrenz, da die App mit langen Texten «presseähnlich» sei. Gespräche mit ARD und ZDF über einen Vergleich waren am Montag gescheitert. Die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel hatte sich aber weiter gesprächsbereit gezeigt.

Nienhaus wiederholte den Vorwurf, dass ARD und ZDF mit Gebührengeldern kostenlose Textangebote finanzierten, die es den Zeitungen schwerer machten, mit Qualitätsjournalismus Geld zu verdienen. «Die Apps sind für uns ein ganz wichtiger Einstieg aus der Kostenfreiheit heraus in eine Kostenpflicht im Netz», sagte Nienhaus. Gerade bei den Apps sei ein System entstanden, bei dem die Nutzer bereit seien, für Inhalte zu zahlen.

Nienhaus zeigte sich zuversichtlich, dass die gedruckte Zeitung auch in Zukunft ein wichtiges Medium bleibe. 68 Prozent der Deutschen über 14 Jahren läsen regelmäßig eine Tageszeitung, sagte Nienhaus. Allerdings gehe die Auflage weiter zurück, in NRW in den vergangenen zwölf Monaten um 3,3 Prozent auf knapp drei Millionen Zeitungen täglich. «Wir sind also immer noch nicht klein, aber was uns Sorge macht, ist das Abbröckeln.»

Auch der Umsatz durch Anzeigen in den Tageszeitungen sinke. Nienhaus schlug vor, sich mehr um Markenartikel- und Konsumgüterwerbung zu bemühen und dafür an einer gemeinsamen Plattform der Zeitungsverlage zusammenzuarbeiten. «Wir sind nur schwer zu buchen für die Mediaagenturen. Und wir müssen darüber reden, ob wir da nicht Abhilfe schaffen können», sagte Nienhaus.

Nienhaus forderte die Verlage dazu auf, mehr Frauen in Spitzenpositionen zu bringen. Es sei besser, das aus eigenen Stücken zu tun, als eine gesetzliche Reglementierung zu riskieren. «Wir müssen dafür sorgen, dass Frauen, wenn sie Kinder bekommen, dadurch nicht im Berufsleben zurückgeworfen werden.»

Vorstand ZVNRW

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