Berlin (SID) - Trainer Otto Rehhagel hat mit Unverständnis auf Vorwürfe reagiert, ihm persönlich sei das Schicksal des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC egal. "Das ist Papperlapapp", sagte "König Otto" dem RBB in der so genannten Urlaubs-Debatte. "Ich war zweieinhalb Monate nicht mehr zu Hause und stand hier Tag und Nacht zur Verfügung", erklärte der Trainer vor dem zweiten Relegationsspiel seiner Hertha am Dienstag bei Fortuna Düsseldorf (20.30/ARD und Sky).

Rehhagel hatte mit seinen Aussagen nach dem ersten Duell am Donnerstag (1:2) zunächst für Wirbel gesorgt. Auf die Frage, inwieweit ein Abstieg der "Alten Dame" ihn persönlich belasten würde, hatte der 73-Jährige etwas lapidar gemeint: "Wenn es am Dienstag zu Ende ist, dann fahre ich in den Urlaub."

Das Echo überraschte den weitgereisten Coach: "In Berlin interessiert doch niemanden, wann Otto Rehagel in den Urlaub fährt." Ihm sei die Aufgabe bei der Hertha von Beginn an sehr wichtig gewesen. Seit seinem Dienstantritt Mitte Februar wohnt Rehhagel in einem Berliner Hotel.

Am Dienstag geht es für Rehhagel und die Hertha im Rückspiel um alles oder nichts. Nach dem 1:2 im Hinspiel und einer miserablen Leistung ab Mitte der zweiten Halbzeit sind die Berliner nur noch Außenseiter, auch wenn Manager Michael Preetz sagt: "Wir wissen, dass wir in der Vergangenheit auswärts oft stärker waren als zu Hause."

Preetz, pikanterweise gebürtiger Düsseldorfer, machte zuletzt im eigenen Lager einen Mentalitätswandel aus. Die Stimmung sei gekippt von "zunächst sehr niedergeschlagen" in "sehr kämpferisch" und "fokussiert". Mit dem kämpferischen Einsatz übertrieben es jedoch zwei Herthaner: Christian Lell und Änis Ben-Hatira lieferten sich im Training eine Rauferei, die Ben-Hatira mit einer Kopfnuss beendete. "Gift gehört im Training dazu. Wir brauchen mehr davon, erst recht in unserer Situation", sagte Lell im Kicker. Rehhagel musste schlichten: "Nachher haben sich die Jungs wieder vertragen."

Statistisch sieht es nicht gut aus für die Hertha. Noch nie hat sich in der Relegation ein Team durchgesetzt, das zu Hause verloren hat. "Wir brauchen ein Wunder", satgte Kapitän Lewan Kobiaschwili: "Aber wird sind in der laufenden Saison oft hingefallen und oftmals wieder aufgestanden."