Brindisi (dpa) - Italien steht unter Schock: Ein Bombe tötet eine Schülerin in Brindisi. Steckt die Mafia hinter der grausamen Tat? Schon zuvor fürchteten die Italiener neue Anschläge - doch glaubte man, die würden sich gegen Behörden richten.

Die 16-Jährige starb nach der Explosion vor der Modeschule Morvillo Falcone am Samstag in der Hafenstadt Brindisi. Ein gleichaltriges Mädchen rang nach Angaben der Ärzte mit dem Tod. Acht weitere Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, einige der Schülerinnen erlitten schwere Verbrennungen.

Für Spekulationen, die Mafia könne hinter der Tat stecken, gab es zunächst keine Beweise. Die Schule ist nach dem Mafia-Jäger Giovanni Falcone und seiner Frau Francesca Laura Morvillo-Falcone benannt, die 1992 ermordet wurden. Die Schule habe sich für eine Kultur der Gerechtigkeit eingesetzt, gegen die Mafia engagiert und einen entsprechenden Preis gewonnen, hieß es.

Die Bombe explodierte nach jüngsten Angaben gegen 7.45 Uhr am Eingang der Schule, als die Schülerinnen auf dem Weg zum Unterricht waren. Viele der Auszubildenden standen unter Schock, berichteten Rettungskräfte. Fenster gingen zu Bruch. Im Umkreis von bis zu 200 Metern soll es Schäden geben. Die Detonation war weithin zu hören, sagten Ohrenzeugen. Vor der Schule auf der Straße lagen zerfetzte Schulhefte. Das Fernsehen Rai zeigte, wie Ermittler den Tatort absicherten. Offenbar war die aus drei mit einander verbundenen Gaskartuschen gebaute Bombe an einer Mauer am Eingang der Schule deponiert und wurde mit einem Zeitzünder ausgelöst.

Schuldirektor Angelo Rampino sagte dem Sender Rai News: «Der Anschlag sollte Menschen töten.» Die Bombe sei explodiert, als die Mädchen in die Schule kamen - eine Viertelstunde früher um 7.30 Uhr wäre wahrscheinlich wenig passiert. Die Schule mit rund 600 Schülern bietet neben dem Fach Mode eine touristische und sozialpädagogische Ausbildung an. Alle Schulen der Stadt wurden geräumt.

Der Polizeichef Italiens, Antonio Manganelli, sagte im Fernsehen Sky TG 24, er halte für unwahrscheinlich, dass etwa Liebeskummer das Motiv sein könne. Aber für einen Mafia-Hintergrund gebe es keine Beweise: «Die Mafia hat nie einen solchen Anschlag verübt.» Der Bürgermeister von Brindisi, Cosimo Consales, der zunächst die Mafia verantwortlich gemacht, äußerte sich später vorsichtiger: «Der Hintergrund des Attentats ist noch nicht klar.» Innenministerin Anna Maria Cancellieri warnte vor voreiligen Schlüssen: «Wir können mehr sagen, wenn sich die Ermittlungsrichtung konkretisiert hat.»

Im Raum Brindisi ist die mafiöse Gruppe Sacra Corona Unita aktiv. Anfang Mai gab es einen Anschlag auf den Präsidenten der Kommission gegen das organisierte Verbrechen, Fabio Marini. Am Samstag wurden in der Hafenstadt mit rund 90 000 Einwohnern die Teilnehmer eines Anti-Mafia-Marsches erwartet, der am 11. April in Rom gestartet war.

Der Mafia-Staatsanwalt Antonio Ingroia sprach in einem Interview mit Rai News von einem Attentat in einem Stil wie in den «schwarzen» 1990er Jahren. Vor 20 Jahren waren der Untersuchungsrichters Giovanni Falcone und seine Ehefrau Francesca Laura Morvillo bei Palermo Opfer eines Sprengstoffattentats geworden - zum Jahrestag am 23. Mai sind Gedenkfeiern geplant.

Staatspräsident Giorgio Napolitano sprach von einem barbarischen Akt. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, das ganze Land müsse «mit Entschlossenheit auf Gewalt und terroristische Provokationen reagieren». In ganz Italien sind Solidaritätskundgebungen geplant, unter anderem am Samstagnachmittag vor dem Pantheon in Rom.

Erst am Donnerstag hatte Rom einen Anti-Terror-Plan auf den Weg gebracht und die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Allerdings standen bisher die Steuerbehörden im Mittelpunkt der Sorge. Anarchistische Gruppen hatten mit Anschlägen gedroht.