München (dpa) - VW-Chef Martin Winterkorn krempelt Medienberichten zufolge die Führung des Autokonzerns um und will mit dem grundlegenden Umbau gleich mehrere Baustellen schließen.

So soll vor allem die bisher eher zäh laufende Lastwagen-Allianz zwischen den beiden Töchtern Scania und MAN von Wolfsburg aus vorangetrieben, das China-Geschäft im Konzernvorstand angesiedelt und der Audi-Vorstand umgebaut werden, wie «Handelsblatt», «Spiegel» und die «Financial Times Deutschland» berichteten. VW sowie MAN wollten sich am Donnerstag nicht äußern. Der Aufsichtsrat von Europas größtem Autobauer kommt am Freitag in Stuttgart zusammen. Das Gremium dürfte den Umbau dann absegnen.

Wie das «Handelsblatt» (Freitag) berichtete, soll etwa der Chef der schwedischen LKW-Tochter Scania, Leif Östling, in den Konzernvorstand rücken und das Nutzfahrzeuggeschäft verantworten. Der Schwede würde dann den bisher zuständigen Jochem Heizmann ablösen - und auf Sicht damit auch für den Rivalen MAN zuständig werden, an dem VW mittlerweile ebenfalls mit großer Mehrheit beteiligt ist. Über die künftige Rolle von Heizmann war seit längerem spekuliert worden. Laut «Handelsblatt» soll sich Heizmann im Ausland um neue Werke kümmern.

Wie die «Financial Times Deutschland» berichtete, solle die Zusammenarbeit zwischen Scania und MAN künftig in einem neuen Kompetenzzentrum in Wolfsburg koordiniert werden. Die Bayern und die Schweden prüfen derzeit in Arbeitsgruppen Möglichkeiten für gemeinsame Projekte, etwa beim Einkauf und bei der Produktion. Allerdings wächst nach Angaben aus Kreisen bei VW die Ungeduld. Dabei gilt das Verhältnis der beiden Hersteller nach einem gescheiterten Übernahmeversuch von MAN im Jahre 2006 als nicht eben einfach.

Bei MAN will VW laut «Handelsblatt» ebenfalls eigene Leute in den Vorstand schicken, unter anderem den bisherigen Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen, der den Einkauf verantworten soll. Auch über diese Personalie wird seit langem spekuliert. Der Manager Jochen Schumm soll zudem bei MAN für Personal zuständig werden, schreibt das Blatt.

Wie seit längerem erwartet, soll auch das Führungsteam der Nobelmarke-Audi um Vorstandschef Rupert Stadler neu aufgestellt werden. So sollen etwa Technikvorstand Michael Dick und Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer ausscheiden. Audi hatte sich bereits auf der Hauptversammlung nicht zu den Spekulationen geäußert. Zuletzt hatte Stadler in der «Wirtschaftswoche» gesagt: «Vor dem Hintergrund der Audi-Strategie 2020 wäre es fahrlässig, sich keine Gedanken über die Teamaufstellung zu machen.»

Auch das wichtige Geschäft in China wollen die Wolfsburger den Berichten zufolge neu ordnen und vor allem aufwerten. Dafür soll im Konzernvorstand ein eigenes Ressort geschaffen werden. Allerdings, so schreibt der «Spiegel», solle nicht der bisher für China zuständige Manager Karl-Thomas Neumann den Job bekommen. Neumann wird dem Nachrichtenmagazin zufolge den Konzern wohl verlassen. Der frühere Conti-Chef galt als einer der Kronprinzen Winterkorns.

«Handelsblatt-Bericht»

«FTD»-Bericht