Hamburg (dpa) - Spannung bis zur letzten Minute: Wie in einem Thriller warteten am Donnerstag alle Beteiligten auf die Verhandlungsergebnisse zwischen der Stadt und Hochtief.

Wird die Stadt ihre Ankündigung wahr machen und dem Bauunternehmen «wegen unberechtigter Leistungsverweigerung» kündigen oder wird man sich doch noch kurz vor Ablauf des Ultimatums einigen? Um 14.09 Uhr dann die erlösende Nachricht: Ja, es wird weitergebaut. Und ja, Hochtief wird nicht gekündigt. Aber ob damit die Probleme auf Hamburgs bekanntester Baustelle behoben sind, mag bezweifelt werden. Zu viele offene Fragen bleiben.

Allein schon die Formulierungen in dem dreiseitigen Schreiben von Hochtief lassen Bedenken aufkommen. «Hochtief bereitet die Baustelle auf eine "Absenkung" des Saaldaches vor und entspricht damit dem Wunsch der Freien und Hansestadt Hamburg» - heißt doch im Klartext, sie machen es gegen ihren Willen und nur, weil sie von der Stadt unter Druck gesetzt wurden. Und weiter heißt es: «Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass die Arbeiten aus Sicherheitsgründen unterbrochen oder ausgesetzt werden müssen.» Also wird schon jetzt wieder mit einem Baustopp gedroht, die eigentlichen Bedenken über die Sicherheit des Daches bleiben bestehen.

Und auch in einem weiteren wichtigen Punkt, der Neuordnung des Projektes, ist man noch nicht vorangekommen. «Wir brauchen eine umfassende Neuordnung des Projekts, sonst scheitern wir immer wieder an Einzelthemen», stellt der Chef der Konzerntochter Hochtief Solutions, Rainer Eichholz, fest. Dem würden die Kulturbehörde und die Architekten Herzog & de Meuron sicherlich zustimmen. Hochtief sei in Gespräche mit den Architekten eingetreten, «um im Rahmen einer Kooperation die Planung des Projekts fertigzustellen und zu koordinieren». Das ist auf anderen Baustellen selbstverständlich. Hier zeigt sich ein Grundproblem beim Bau der Elbphilharmonie: Dass Planung und Bauausführung nicht in einer Hand liegen und die beiden Streithähne nicht miteinander reden.

Somit kann Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos), die bei ihrem Amtsantritt eine härtere Gangart gegenüber dem Essener Baukonzern angekündigt hat, nur einen Teilerfolg verbuchen: Ihre Taktik, Hochtief mit der Kündigung der Verträge unter Druck zu setzen, ist aufgegangen. Hochtief hatte wohl gehofft, weiter pokern zu können und die Androhung der Kulturbehörde zunächst nicht ernst genommen. Denn wer hätte das Konzerthaus weiterbauen sollen? Ein anderes Bauunternehmen oder die städtische Realisierungsgesellschaft ReGe? Das hätte zu weiteren Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen geführt, denn die Neuen hätten sich erst in die komplizierte Materie einarbeiten müssen.

Doch die anderen Probleme auf der Baustelle sind noch nicht aus dem Weg geräumt. Eine Neuordnung des Projektes ist längst überfällig. So zeigt sich Kisseler auch nur «vorsichtig optimistisch» über die neuen Ergebnisse. «Entscheidend wird der reale Baufortschritt auf der Baustelle sein. Den Ankündigungen müssen nun Taten folgen. Der Ball liegt nun im Feld von Hochtief.»

Elbphilharmonie