Frankfurt/Main (dpa) - Mit der Vergabe der ersten London-Tickets hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) 57 Tage vor Eröffnung der Sommerspiele den Olympia-Countdown eingeleitet.

Bei der ersten von drei Nominierungen erhielten am Donnerstag 48 Männer und 37 Frauen aus elf Sportarten die Fahrkarte zu den Sommerspielen vom 27. Juli bis 12. August. «Die Mannschaft bekommt jetzt ein Gesicht. Alle haben das Gefühl: Jetzt geht es los», sagte DOSB-Präsident Thomas Bach nach der Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main. Dort werden am 25. Juni und 4. Juli auch die weiteren Olympia-Tickets vergeben.

Rund 380 Sportler werden die deutschen Farben in Großbritanniens Hauptstadt vertreten, so wenige wie noch nie seit dem Auftritt der wiedervereinigten Mannschaft 1992 in Barcelona. Vor vier Jahren in Peking umfasste das deutsche Team noch 440 Athleten, 2004 in Athen waren es 449. «Auch wenn wir das kleinste Team seit der Wiedervereinigung erwarten, wird es ein leistungsstarkes sein», sagte DOSB-Generaldirektor und Chef de Mission Michael Vesper.

2008 hatte die deutsche Mannschaft mit insgesamt 41 Medaillen (16 Gold, 10 Silber, 15 Bronze) hinter China, den USA, Russland und Großbritannien im Medaillenspiegel Platz fünf belegt. Dieses Ergebnis soll in London verteidigt werden. «Unter dem Motto 'Wir für Deutschland' werden unsere Sportlerinnen und Sportler Deutschland sympathisch und erfolgreich im härtesten Wettstreit der Olympia-Geschichte repräsentieren», sagte Bach.

Er erwartet einen harten Kampf um Edelmetall, denn nie zuvor hätten so viele Nationen so viel Geld in den Sport investiert. «Die Medaillenverteilung wird noch globaler sein als in Peking», mutmaßte Bach.

Zum guten Abschneiden des deutschen Teams sollen unter anderen die am Donnerstag nominierten Peking-Sieger Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink (Fechten) sowie Ole Bischof (Judo), Tischtennis-Ass Timo Boll, der dreimalige Schieß-Olympiasieger Ralf Schumann und Rad-Weltmeisterin Miriam Welte beitragen.

Der DOSB will die Medaillen jedoch nicht um jeden Preis. «Wir wollen Erfolg, aber keinen schmutzigen Lorbeer», erklärte Bach. Deshalb mussten alle Sportler die DOSB-Athletenvereinbarung unterschreiben, in der sie sich zum Anti-Doping-Kampf, einem Wettverzicht und zur Einhaltung des Werbeverbots verpflichten. Laut Vesper habe die Nationale Antidoping-Agentur (NADA) «bei keinem nominierten Athleten Bedenken geäußert».

In London soll es vom 16. Juli an, wenn das Olympische Dorf seine Pforten öffnet, insgesamt 6000 Urin- und Blutproben geben. Der DOSB strebt an, dass jeder deutsche Athlet mindestens einmal kontrolliert wird. Für den Fall eines Dopingvergehens kündigte Vesper zusätzliche Sanktionen an: «Dann wird der DOSB die Entsendungskosten von den Betroffenen zurückfordern.»