Madrid/Brüssel (dpa) - Für das von einer Bankenkrise gebeutelte Euroland Spanien gibt es am Anleihemarkt keine Entwarnung. Das Schatzamt in Madrid versteigerte am Donnerstag Staatspapiere mit drei verschiedenen Laufzeiten und sammelte 2,07 Milliarden Euro ein.

Die Nachfrage war groß. Doch die Geldaufnahme wird immer teurer. Für die Sanierung seiner Banken benötigt Spanien möglicherweise erheblich mehr Geld als bislang angenommen. Ein EU-Parlamentarier und Parteifreund von Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach von einer Summe von bis zu 100 Milliarden Euro.

Bei der Anleiheauktion verlangten die Investoren für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren Zinsen von 6,044 Prozent. Im April waren es noch 5,743 Prozent. Damit wird die Finanzierung der Schulden für Madrid, das ohnehin mit einem zu hohen Staatsdefizit kämpft, immer schwieriger.

Der spanische Finanzminister Cristóbal Montoro hatte Anfang der Woche erstmals offen eingeräumt, dass die Tür zum Kapitalmarkt beim aktuellen Renditeniveau praktisch geschlossen sei. Das heizte Spekulationen weiter an, Spanien müsse nach Irland, Portugal und Griechenland ebenfalls unter den europäischen Rettungsschirm flüchten.

Händler bezeichneten die Versteigerung am Donnerstag dennoch als Erfolg und führten die sehr starke Nachfrage an. Die Titel waren 2,56- bis 4,26-fach überzeichnet.

Zuletzt hatten Investoren das Land aufgrund der Probleme im Bankensektor immer kritischer bewertet. Deswegen herrschte wegen der robusten Nachfrage, die auch ein Indiz für das Vertrauen der Anleger ist, trotz höherer Zinsen auch Erleichterung. Am Sekundärmarkt für bereits gehandelte Anleihen gingen die Renditen denn auch merklich zurück. Die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen näherte sich hier wieder der Marke von sechs Prozent an, nachdem sie zeitweilig bis auf 6,7 Prozent gestiegen war. Händler begründeten mit der Hoffnung auf eine baldige Lösung der Bankenkrise in Spanien.

Der Generalsekretär der Europäischen Volkspartei (EVP), Antonio López-Istúriz, sagte, bei den Hilfen für die spanischen Banken gehe man von einer Summe von insgesamt 80 und 100 Milliarden Euro aus, vielleicht auch weniger. «Die Zahlen bewegen sich im Rahmen dessen, was der EU-Rettungsfonds akzeptieren könnte», betonte der spanische Europaparlamentarier dem staatlichen Fernsehen TVE. Die EU-Gipfelkonferenz am 28./29. Juni könnte grünes Licht geben, wenn Spanien die Hilfen benötige.

Die genannte Summe ist erheblich höher als die bisherigen Schätzungen. Der Präsident der Großbank Santander, Emilio Botín, hatte den Gesamtbedarf des spanischen Bankensektors auf 40 Milliarden Euro beziffert. Montoro nannte bislang keine Summe, betonte aber, der erforderliche Betrag sei «nicht sehr hoch».

Die EU-Kommission betonte erneut, es gebe aus Spanien keinen Antrag auf Hilfen. Der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn wies erneut auf die Möglichkeit hin, den Krisenfonds EFSF in Anspruch zu nehmen, falls der heimische Bankenrettungsfonds nicht ausreichen sollte. «Diese Möglichkeit existiert, aber es ist eine theoretische Möglichkeit, weil es keine Anfrage gibt.» Externe Prüfer müssten zuerst feststellen, wie hoch der Finanzbedarf bei den Banken überhaupt sei. Schätzungen von 40 bis 80 Milliarden Euro seien ungenau, kritisierte er.

Die spanische Regierung hat noch nicht entschieden, ob sie in Brüssel Hilfen beantragen wird. Sie will nach Angaben von Wirtschaftsminister Luis de Guindos erst Gutachten des Weltwährungsfonds (IWF) und zweier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zur Lage des spanischen Bankensektors abwarten.

Die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich kam zu günstigeren Bedingungen als zuletzt an neues Geld. Insgesamt nahm das Land am Donnerstag 7,836 Milliarden Euro auf, wie die französische Finanzagentur in Paris mitteilte. Der größte Teil entfiel auf eine zehnjährige Anleihe. Die Rendite lag hier bei 2,45 Prozent und damit niedriger als bei einer vergleichbaren Auktion Anfang Mai (2,96 Prozent).

Die Finanzmärkte nahmen die Auktionen erleichtert auf. Der Eurokurs kletterte in Richtung der Marke von 1,26 US-Dollar. Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls positiv.