Brindisi (dpa) - Der tödliche Anschlag auf eine Berufsschule in der apulischen Hafenstadt Brindisi war vermutlich der Racheakt eines 68-jährigen Mannes. Der Inhaber eines Kraftstoffdepots wurde festgenommen und hat die Tat gestanden, wie der Staatsanwalt Cataldo Motta bestätigte.

«Diese Bombe habe ich allein gebaut», habe der Mann im Verhör eingeräumt, sich dabei jedoch geweigert, ein Motiv für die Tat zu nennen.

Die Ermittlern werfen dem Mann vor, er habe ein Blutbad anrichten wollen. Denn in den Verhören erklärte er, den Sprengstoff bewusst am Tag gezündet zu haben, weil «nachts niemand dort (an der Schule) ist», sagte der Staatsanwalt. Die Ermittlungen gingen mit Durchsuchungen bei dem 68-Jährigen weiter.

Der Sprengsatz detonierte am 19. Mai vor der Berufsschule «Morvillo-Falcone». Die 16-jährige Mode-Schülerin Melissa wurde getötet, fünf Schülerinnen wurden schwerer verletzt. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten einen Mann, der einen aus Gaskartuschen konstruierten Sprengsatz an einem Müllcontainer direkt vor der Schule platzierte. Zunächst war spekuliert worden, dass die apulische Mafia oder italienische Anarchisten den Sprengsatz gezündet haben könnten. Denn die Schule ist nach dem Mafia-Jäger Giovanni Falcone und seiner Frau Francesca Morvillo benannt. Beide wurden vor 20 Jahren ermordet.

Es gebe eine «offensichtliche Ähnlichkeit» zwischen dem Mann auf dem Überwachungsvideo und dem mutmaßlichen Täter, erläuterte der leitende Staatsanwalt Motta am Donnerstag. Auch habe er Zugang zu explosivem Material gehabt und erklärt, wie er dann vorgegangen sei.

Der mutmaßliche Täter aus Copertino bei Lecce habe eigentlich einen Anschlag auf ein Gericht nahe der Schule verüben wollen, berichtete die Zeitung «La Repubblica». Der Mann soll sich als ein Opfer der italienischen Justiz gefühlt haben. Dabei sei es um einen Prozess wegen einer Benzinlieferung für mehr als 300 000 Euro gegangen sein. Auch andere private Motive wurden genannt.