Kiew (Ukraine) (SID) - Noch steht für "Bulldogge" Wayne Rooney ein "Betreten verboten!"-Schild auf dem Rasen, also hat er im englischen Nationalteam eine neue Rolle gesucht - und gefunden. "Englands neuer Chef-Cheerleader", taufte das Boulevardblatt Sun den Stürmerstar, der vor dem zweiten EM-Gruppenspiel am heutigen Freitag (20.45 Uhr) in Kiew gegen Schweden mit vielen Späßen und einer neuen, gewöhnungsbedürftigen Frisur für gute Laune sorgt. Weil inzwischen auch die WAGS (Wives and Girlfriends) in Polen gelandet sind, ist die Stimmung bei den Three Lions fast schon euphorisch.

Teammanager Roy Hodgson will die Gunst der Stunde nutzen und seine fröhlichen Profis gegen Schweden diesmal munter nach vorne spielen lassen. Im Training ließ der 64-Jährige immer wieder verschiedenste Angriffsvarianten einstudieren. "Wir müssen nur noch unsere Konter verbessern und zusehen, dass wir öfter in die gefährliche Zone vorstoßen", sagte er am Donnerstagabend. Stürmer Danny Welbeck betonte, nach dem respektablen 1:1 zum Auftakt gegen Frankreich wolle man sich nicht mehr mit einem Unentschieden zufrieden geben: "Wir werden da rausgehen und uns die drei Punkte holen."

Welbeck soll von Ashley Young mit Pässen gefüttert werden. Der 26-Jährige übernimmt erneut den Platz von Rooney, der wegen seiner Roten Karte im unbedeutenden Qualifikationsspiel gegen Montenegro ein letztes Mal zuschauen muss. "Es ist ein Vorteil für uns, dass er nicht dabei ist, ganz klar", sagt Schwedens Verteidiger Jonas Olsson.

Während seiner Zwangspause hat Rooney an seinen Führungsqualitäten außerhalb des Platzes gearbeitet. "Ich muss noch mehr die Person werden, die in der Kabine und im Hotel mithilft, dass die Atmosphäre entspannt ist und ab und zu gelacht wird", sagte Rooney. Mit seiner neuen Frisur - Ohren und Nacken freilegt, vorne eine kleine Tolle - sorgte der Stürmer von Manchester United auf jeden Fall für Heiterkeit.

Aufregende Frisuren sind auch bei den Spielerfrauen zu bewundern. "Die WAGS sind gelandet!", schrieb die Daily Mail voller Enthusiasmus und kürte sogleich Coleen Rooney zur neuen "Königin der Spielerfrauen". Das Frauenbesuchs-Verbot von Vorgänger Fabio Capello, dem strengen Disziplinfanatiker aus Italien, hat Hodgson aufgehoben. Er hält seine Spieler an der langen Leine, verlangt dafür aber gegen Schweden Leistung. "Die Spieler müssen kämpfen bis zum Umfallen", forderte der Teammanager, der gegen das Drei-Kronen-Team "keine großen Veränderungen" in der Startaufstellung vornehmen wird.

Schwedens Trainer Erik Hamrén ist dagegen nach dem 1:2 gegen die Ukraine zu Änderungen gezwungen. Meinen die Medien. Und viele Spieler. Zlatan Ibrahimovic forderte den Einsatz von Johan Elmander für den Bremer Marcus Rosenberg, mit dem sich Kapitän "Ibra" zum Auftakt ein verbales Scharmützel geliefert hatte. Ibrahimovic selbst plagt eine Oberschenkelblessur, die einen Einsatz aber nicht verhindert. "Zlatan ist okay", sagte Hamrén. Routinier Anders Svensson (128 Länderspiele) wird wohl ebenfalls spielen. England-Legionär Martin Olsson fordert derweil, dass Christian Wilhelmsson von Beginn an dabei ist. "Solche Leute müsste man auf dem Platz haben", sagte der Linksverteidiger.

Stänkernde Spieler sind nicht Hamréns einziges Problem. Er muss sich heftige Kritik hochrangiger Politiker anhören, weil er nicht verhinderte, dass einige Spieler und Teammanager Marcus Allbäck das blanke Hinterteil von Ersatztorwart Johan Wiland mit Bällen beschossen. "Menschen, die Verantwortung tragen, sollten sich dessen bewusst sein und sich entsprechend verhalten", sagte Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, und forderte Wiedergutmachung: "Das wichtigste für das schwedische Volk ist, dass wir gegen England gewinnen."

Oder, wie die blau-gelben Fans in Kiews Straßen seit Tagen singen: "Krossa England!", zermalmt England!