Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag nur kurzzeitig mit Erleichterung auf den Wahlausgang in Griechenland reagiert und bloß moderate Gewinne verbucht. Wegen der anhaltenden europäischen Schuldenkrise schrumpfte das Plus deutlich zusammen.

Der Leitindex Dax, der zum Auftakt noch um 1,39 Prozent zugelegt hatte, rutschte zwischenzeitlich sogar knapp in die Verlustzone und rettete bei 6248,20 Punkten ein moderates Plus von 0,30 Prozent ins Ziel. Der MDax behauptete Gewinne von 0,43 Prozent auf 10 089,15 Punkte. Für den TecDax ging es um 0,59 Prozent auf 731,16 Punkte hoch.

«Die sich im frühen Handel andeutende Erholungsrally ist bereits wieder verpufft», kommentierte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets das Börsengeschehen. «Die schwelende Schuldenkrise Europas ist mit dieser Wahl nicht vom Tisch. Bekanntlich brennt es bereits in anderen Regionen der Währungsunion.» Die zunehmenden Sorgen um die finanzielle und wirtschaftliche Situation der Euro-Schwergewichte Spanien und Italien hätten die Euphorie zum Wochenstart wieder eingetrübt. Auch Devisenexperte Stephan Rieke von der BHF-Bank wollte es nicht überbewerten, dass sich die proeuropäischen Kräfte bei den Parlamentswahlen in Griechenland knapp durchgesetzt haben: «Das größere Problem sind derzeit die Probleme in Italien und vor allem in Spanien.»

Die Bankenaktien drehten nach einem freundlichen Start ins Minus: Commerzbank büßten als Dax-Schlusslicht 4,44 Prozent auf 1,357 Euro ein, und Deutsche Bank verbilligten sich um 1,12 Prozent. Börsianer verwiesen auf die steigenden Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen. Für spanische Papiere mit zehnjähriger Laufzeit kletterten sie wieder über sieben Prozent und zeitweise sogar auf einen neuen Rekordstand. Italien muss mehr als sechs Prozent Zinsen für diese Titel zahlen. Anfangs hatten die Branchenwerte sich dank des positiv aufgenommenen Wahlergebnisses aus Griechenland noch stärker entwickelt als der Markt.

Die Aktien von ThyssenKrupp beendeten den Tag 1,84 Prozent höher. Sie profitierten davon, dass der brasilianische Stahlkonzern CSN möglicherweise das hochdefizitäre Stahlwerk von ThyssenKrupps Tochtergesellschaft CSA in Brasilien übernehmen will. Auch der Rohstoffkonzern Vale soll Interesse an der Anlage haben. Für den Standort im US-Bundesstaat Alabama interessiert sich zudem laut «Wirtschaftswoche» der südkoreanische Stahlkonzern Posco.

Beim Halbleiterkonzern Infineon sorgten positive Analystenkommentare an der Dax-Spitze für ein Kursplus von 3,19 Prozent. Als bester Wert im MDax stiegen die Papiere von Rheinmetall um 6,69 Prozent auf 36,765 Euro. Hier trieb ein Bericht der «Bild am Sonntag» an, wonach Saudi-Arabien noch viel mehr deutsche Kampfpanzer kaufen will als bisher bekannt - statt 200 bis 300 Leopard 2 wünsche sich Riad nun 600 bis 800. Mit einem Schätzwert von zehn Milliarden Euro wäre das einer der bisher größten Rüstungsaufträge für die Bundesrepublik, berichtet die Zeitung.

Der EuroStoxx 50 schloss 1,17 Prozent tiefer bei 2155,64 Punkten. In Paris ging es ebenfalls nach unten, während die Londoner Börse ein moderates Plus schaffte. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial notierte zum europäischen Handelsschluss knapp im Minus

Am Rentenmarkt brach die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,22 Prozent am Freitag auf 1,14 Prozent ein. Der Rentenindex Rex stieg entsprechend deutlich um 0,26 Prozent auf 133,79 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,49 Prozent auf 142,75 Punkte. Der Kurs des Euro sank indes auf 1,2575 US-Dollar. Am Nachmittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,2618 (Freitag: 1,2596) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7925 (0,7939) Euro gekostet.