Essen (dpa) - Die Eigner des Chemiekonzerns Evonik sagen den milliardenschweren Börsengang des Konzerns wegen zu niedriger Gebote der Investoren ab.

Das hat das Kuratorium des Haupteigentümers RAG-Stiftung (74,99 Prozent der Anteile) im Einvernehmen mit dem Minderheitseigentümer CVC Capital Partners am Montag entschieden. Investoren hätten wegen der unsicheren Lage der Euro-Zone Abschläge von 25 Prozent oder mehr verlangt, sagte Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking der dpa. «Ein Viertel des Wertes - das war nicht drin.»

Ein neuer Anlauf sei vorerst nicht geplant. Evonik sei nach wie vor in einer glänzenden Verfassung, der Börsengang werde aber erst wieder ins Auge gefasst, wenn die Lage auf den Finanzmärkten einen angemessenen Erlös ermögliche, hieß es in der offiziellen Mitteilung.

Die Evonik-Eigentümer und die beauftragten Banken hatten Gespräche mit bis zu 2000 Investoren geführt. In der vergangenen Woche seien in einem konzentrierten Durchgang noch einmal 60 große Investoren angesprochen worden, die erzielbaren Erlöse hätten aber einfach nicht ausgereicht. «Es wäre ein Schnäppchenpreis gewesen, aber der Preis war für uns einfach zu niedrig», sagte Bonse-Geuking.

Als Bewertungsziel für Evonik hatten die Eigentümer nach unbestätigten Berichten 15 Milliarden Euro angestrebt. Dieser Wert sei klar verfehlt worden, hieß es. Die Erlöse des Evonik-Börsengangs sollen im wesentlichen zur Abdeckung der sogenannten Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohle-Bergbaus genutzt werden, wenn Ende 2018 die Förderung in Deutschland beendet wird. Dazu zählt das dauerhafte Abpumpen von Wasser in den ehemaligen Abbaugebieten.

Die dafür erforderliche Summe von rund 220 Millionen Euro im Jahr könne die Stiftung bequem über ihre Dividenden-Einnahmen von Evonik - rund 300 Millionen Euro jährlich - abdecken, sagte Bonse-Geuking. Hinzu kämen die Kapitalerträge aus rund 1,6 Milliarden Euro Vermögen. «Wir haben eine mehr als hinreichende Liquidität und überhaupt keinen Zeitdruck.»

Der Börsengang war vor der Entscheidung vom Montag bereits zweimal ausgesetzt worden - zuletzt im Herbst vergangenen Jahres. Bonse-Geuking verteidigte die Entscheidung vom März 2012, die Vorbereitungen dennoch wieder aufzunehmen. Gründe seien der gute Geschäftsausblick des Unternehmens und die unerwartet positive Entwicklung der Kapitalmärkte gewesen. Die Stiftung ist laut ihrer Satzung verpflichtet, den Börsengang anzustreben. Damit sollen die Einkünfte breiter gestreut werden.