Los Cabos (dpa) - Europa bleibt auch nach der glimpflich verlaufenen Griechenland-Wahl Risikofaktor Nummer Eins für die Weltwirtschaft. Zum Auftakt des G20-Gipfels im mexikanischen Los Cabos stand das europäische Krisenmanagement in der Kritik.

Zwar kamen aus dem Kreis der stärksten Volkswirtschaften der Erde (G20) Hilfsangebote. Dennoch sehen diese Europa - vor allem Deutschland - in der Pflicht, die hausgemachte Schuldenkrise endlich in den Griff zu bekommen. Die internationalen Märkte zeigten sich skeptisch, ob das zweitägige Treffen überzeugende Strategien präsentieren kann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble trafen am Montagmorgen (Ortszeit) in dem Badeort an der Pazifikküste ein. Es ist der siebte G20-Gipfel seit November 2008, als die Staats- und Regierungschefs erstmals zusammengekommen waren, um das Weltfinanzsystem nach der Pleite der US-Investbank Lehman Brothers vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Neben der Euro-Schuldenkrise spielte vor allem die Lage in Syrien eine wichtige Rolle auf dem Gipfel. Erstmals seit der erneuten Machtübernahme kam Russlands Präsident Wladimir Putin zu einer großen internationalen Konferenz. US-Präsident Barack Obama und Putin, deren Verhältnis angespannt ist, wollten über Syrien und den Iran sprechen.

Sehr zugespitzt ging Weltbank-Chef Robert Zoellick mit den Europäern ins Gericht und nahm sich das Beispiel der milliardenschweren Rettung spanischen Banken vor. «Die Umsetzung war extrem dürftig», sagte er vor dem Gipfel. «Wir warten darauf, dass Europa sagt, was zu tun ist»

Vergangenes Wochenende hatten die Eurozone Spanien ein Hilfspaket in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der heimischen Banken zugesagt. Eine Beruhigung der Märkte blieb dennoch aus: Am Montag erreichten spanische Renditen Rekordhöhen. Solche Zinsniveaus sind auf Dauer von keinem Staat zu leisten.

Auch Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh und Chinas Staatspräsident Hu Jintao forderten wirksame Taten. «Die Welt ist in ernsten Schwierigkeiten», sagte Singh. «Ich hoffe, die G20 machen konstruktive Vorschläge, um die Welt aus dieser Krise zu bekommen.»

Der britische Premier David Cameron will in Mexiko laut vorab veröffentlichtem Manuskript den Druck auf die Eurozone - insbesondere Deutschland und die Europäische Zentralbank - erhöhen. Die «Kern»-Euro-Staaten und die EZB müssten mehr gegen die Krise tun. Auch Großbritannien steckt in der Rezession.

Neben Spaniens Bankenkrise schlägt sich die Eurozone auch mit der Rezession in Italien und Misstrauen und Unsicherheit der Anleger herum. Das Ergebnis der Griechenland-Neuwahlen sorgte immerhin für Entspannung in der Gipfelrunde. Die Europäische Union zeigte sich erleichtert. «Wir begrüßen heute den Mut und die Ausdauer der griechischen Bürger», erklärten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Für Hu Jintao müsse der Gipfel deshalb «ein Signal der Zuversicht an die Märkte» senden. In einem Gespräch mit der mexikanischen Zeitung «Reforma» zeigte sich der Chinese nicht ganz so pessimistisch für die Weltwirtschaft: «Die Aussichten für Wirtschaftswachstum haben sich etwas verbessert.» Aber es gebe weiter akute Unsicherheiten. «Die gesamte globale Nachfrage bleibt schwach.»

Das richtige Konzept für mehr Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Sanierung der maroden Finanzen in vielen Staaten dürfte einer der großen Streitpunkte des Treffens sein.

Merkel hatte - auch mit Blick auf Forderungen Obamas und Frankreichs Staatschef François Hollande - vor der Abreise klar gemacht, kostspielige, auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme seien mit ihr nicht zu machen.

Merkel wollte vor dem offiziellen Programm mit Hu Jintao und Obama zu Einzelgesprächen zusammenkommen. Obama, der im Wahlkampf steht und weiter mit einer eher schwachen Konjunktur kämpft, sieht eine erste Besserung der US-Wirtschaft durch die Schuldenkrise in Gefahr.

Am Rande des Gipfels sollten neue Möglichkeiten ausgelotet werden, die eskalierende Gewalt in Syrien einzudämmen. Russland kommt wie China eine Schlüsselrolle im Syrien-Konflikt zu. Beide haben ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat und lehnen einen Regimewechsel in Damaskus ab.